Namensformen und Linienbezeichnungen
unterschiedliche Schreibweisen und deren Einordnung
7.1 Entstehung unterschiedlicher Namensformen
In den frühen Quellen zur Familie begegnen man unterschiedlichen Schreibweisen des Namens. Besonders auffällig ist dabei der Übergang von Bodequin zu Bodeckher, der bereits im Spätmittelalter einsetzt.
Diese Veränderung ist kein Zeichen für einen Familienwechsel oder eine neue Linie, sondern das Ergebnis sprachlicher Anpassung. Namen wurden über Jahrhunderte hinweg nicht einheitlich geschrieben. Sie passten sich der jeweiligen Region, der Verwaltungssprache und dem Schreibgebrauch der Schreiber an. Aus dem ursprünglich eher romanisch oder niederdeutsch geprägten Bodequin entwickelte sich so schrittweise die stärker hochdeutsch geformte Variante Bodeckher.
Gerade im Spätmittelalter ist die schriftliche Überlieferung oft lückenhaft oder uneinheitlich. Namen erscheinen in wechselnden Schreibweisen, Urkunden sind vereinzelt überliefert oder nur indirekt erhalten. In solchen Fällen spielten Wappen eine besondere Rolle. Sie dienten über Generationen hinweg als visuell eindeutiges Kennzeichen einer Familie und boten oft mehr Kontinuität als die Namensschreibung selbst.
Während Namen sich an Sprache, Region oder Schreiber anpassten, blieben Wappen in ihrer Grundform über längere Zeit stabil. Sie ermöglichen es daher, Zusammenhänge und Zugehörigkeiten auch dort zu erkennen, wo die schriftliche Namensüberlieferung uneinheitlich ist. In vielen Fällen lassen sich familiäre Kontinuitäten über Wappen klarer nachvollziehen als allein über die Schreibweise des Namens.
7.2 Die Hauptform: „von Bodeck“
Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts tritt die Familie zunehmend geschlossen unter der Namensform von Bodeck auf. Maßgeblich ist dabei Bonaventura I., der in dieser Zeit die Nobilitierung der Familie anstrebte und schließlich erreichte.
Mit diesem sozialen und rechtlichen Aufstieg ging eine bewusste Vereinheitlichung der Namensführung einher. Die Form von Bodeck wurde zur verbindlichen Hauptbezeichnung der Familie und spiegelt den erreichten Adelsstand wider. Frühere oder parallel verwendete Schreibweisen treten ab diesem Zeitpunkt deutlich in den Hintergrund.
Eng verbunden mit diesem Prozess ist die Wappenbesserung von 1584. Sie markiert nicht nur einen formalen Einschnitt in der heraldischen Darstellung, sondern steht auch symbolisch für die gefestigte Stellung der Familie. Name und Wappen bilden von diesem Zeitpunkt an eine erkennbare Einheit, die über Generationen hinweg Bestand hat.
Aus diesem Grund wird auf dieser Website die Namensform von Bodeck als einheitliche Hauptform verwendet. Abweichende Schreibweisen erscheinen nur dort, wo sie aus zeitgenössischen Quellen übernommen werden und zum Verständnis der historischen Entwicklung beitragen.
7.3 „zu Ellgau“ und „von Ellgau“: Herkunfts und Zweigbezeichnung
Im 16. und frühen 17. Jahrhundert erscheint bei einzelnen Angehörigen der Familie der Zusatz „zu Ellgau“, später auch „von Ellgau“. Diese Bezeichnung steht in erkennbarem Zusammenhang mit dem Besitz und dem dauerhaften Lebensmittelpunkt der Familie in Ellgau.
Der Zusatz „zu Ellgau“ ist vornehmlich bei den Nachkommen Bonaventuras II. nachweisbar. Er kennzeichnet somit einen innerhalb der Familie von Bodeck herausgebildeten Zweig, der sich durch Besitz, Wohnsitz und genealogische Kontinuität von anderen Linien unterscheidet.
Zugleich ist festzuhalten, dass die Bezeichnung „zu Ellgau“ keinen eigenständigen Familiennamen begründet. Der Stammname bleibt „von Bodeck“. Der Ortszusatz erfüllt vielmehr die Funktion einer genealogischen und territorialen Differenzierung, nicht einer Umbenennung der Familie.
Mit dem Wandel administrativer und sprachlicher Konventionen wurde der Zusatz im Laufe der Zeit variabel verwendet, verkürzt oder syntaktisch verschoben. Für die genealogische Interpretation ist er daher als zweigbezogene Herkunftsbezeichnung zu verstehen, die eine innere Gliederung der Familie sichtbar macht, ohne den übergeordneten Familiennamen aufzulösen.
7.4 Der Umbruch im 17. Jahrhundert im Umfeld des Ellgauer Zweigs
In der Mitte des 17. Jahrhunderts zeigen die Quellen eine Phase, die für spätere Namensformen und Zuordnungen von Bedeutung ist. Diese Zeit ist geprägt von starken Einschnitten, familiären Verlusten und einer insgesamt weniger dichten Überlieferung.
Mehrere Angehörige dieser Generation, deren Geburtsjahre in den 1620er- und frühen 1630er-Jahren liegen, verstarben 1636 nachweislich im Zusammenhang mit einem Pestereignis. Solche außergewöhnlichen Umstände führten nicht nur zu personellen Brüchen, sondern wirkten sich auch auf die Kontinuität von Namens- und Ortsbezeichnungen aus.
Gleichzeitig zeigt sich in dieser Phase eine erhöhte räumliche Beweglichkeit einzelner Familienmitglieder. Militärische Laufbahnen, Ortswechsel und das Ausweichen vor belasteten Regionen tragen dazu bei, dass Namensformen und Herkunftsangaben in den Quellen nicht durchgängig einheitlich erscheinen.
Für die Einordnung der Namensformen ist dabei entscheidend, dass diese Uneinheitlichkeiten keinen Bruch des familiären Zusammenhangs anzeigen. Sie sind vielmehr als Ausdruck einer generationellen Übergangsphase zu verstehen, in der außergewöhnliche historische Bedingungen die schriftliche Überlieferung sichtbar beeinflussen.
7.5 Ortswechsel und Namensverkürzung bis zur Form Elgaß
Aus den historischen Quellen geht hervor, dass es im Zusammenhang mit einem räumlichen Wechsel zu einer verkürzten Namensführung kommt. Mit dem Übergang aus dem protestantisch geprägten Raum Utrecht/Thiel in das katholische Missen im Allgäu erscheint der bisher geführte Name Bodeck von Ellgau in den dortigen Quellen verkürzt als „von Ellgau“.
Diese Form begegnet insbesondere im Zusammenhang mit der Eheschließung von Matthias. Der Wegfall des Namensbestandteils Bodeck ist dabei nicht als Aufgabe des Familiennamens zu verstehen, sondern als quellen und kontextabhängige Vereinfachung, wie sie bei Orts und Milieuwechseln dieser Zeit häufiger zu beobachten ist.
In der folgenden Generation setzt sich diese Entwicklung fort. Beim Sohn von Matthias, Ferdinand, geboren 1681, erscheint in den Kirchenbüchern ausschließlich der Name „Ellgau“, ohne weitere Namenszusätze. Der ursprüngliche Familienname Bodeck ist in diesen Einträgen nicht mehr enthalten.
In der darauffolgenden Generation erscheint der Name in den Quellen nochmals in veränderter Form. Der Sohn Ferdinands, Franz Karl Elgaß (in einzelnen Überlieferungen auch Ellgau genannt), führt bereits die lautliche Kurzform des Namens, wie es auch der Pfarrer von Missen in einem Schreiben aus dem Jahr 1994 mitteilte.
Mit Franz Karl Elgaß ist zudem ein erneuter räumlicher Wechsel verbunden. Er verlegte seinen Lebensmittelpunkt aus dem Allgäu in das Saarland. Die Gründe für diesen Schritt lassen sich aus den bislang bekannten Quellen nicht eindeutig erschließen und bleiben offen. Festzustellen ist jedoch, dass sich mit diesem Ortswechsel sowohl die Namensform als auch der geografische Bezug der Familie weiter vom ursprünglichen Ellgauer Kontext entfernen.
7.6 Zur Abgrenzung der Familie von Bodeck und der Familie Bodecker
In der älteren Literatur findet sich gelegentlich die Annahme, zwischen der Familie von Bodeck, der Familie Bodecker sowie dem Elbinger Bürgermeister Hartwig Bedeken bestehe eine genealogische Verbindung. Diese Deutung beruht vor allem auf Namensähnlichkeit, regionaler Nähe und Besitzkontinuität, lässt sich jedoch weder linguistisch noch heraldisch oder genealogisch überzeugend absichern.
Aus sprachhistorischer Sicht ist insbesondere die Ableitung des Namens „von Bodeck“ aus der Berufsbezeichnung „Böttcher“ nicht zwingend. Während „Böttcher“ eindeutig als Berufsname zu verstehen ist, weist „von Bodeck“ die Struktur eines toponymisch geprägten Namens auf und ist damit einer eigenständigen Namens- und Traditionslinie zuzuordnen. Die Gleichsetzung beider Namensformen erscheint daher eher als Ergebnis späterer genealogischer Deutungen denn als historisch gesicherter Entwicklungsweg.
Am klarsten tritt die Abgrenzung beider Familien in der Heraldik hervor. Das Wappen der Familie Bodecker, wie es der kaiserliche Adels- und Wappenbrief von 1578 beschreibt, zeigt ein figürliches Motiv: ein Türkenbrustbild mit Pfeil, das im Schild und in der Helmzier wiederkehrt (Abb. 8.6-1). Demgegenüber steht das Wappen der Familie von Bodeck mit seiner klassischen heraldischen Struktur, insbesondere dem Kreuz- und Löwenmotiv. Eine Ableitung des einen Wappens aus dem anderen ist weder formal noch symbolisch plausibel; in der heraldischen Methodik gilt ein derart grundlegender Unterschied als starkes Indiz dafür, dass unterschiedliche Familien vorliegen.
Die Kombination aus heraldischen, sprachhistorischen und genealogischen Befunden macht es wahrscheinlich, dass die Familie von Bodeck und die Familie Bodecker nicht derselben Abstammungslinie angehören, sondern zwei genealogisch unabhängige Familien darstellen. Eine Ableitung der Familie von Bodeck aus dem Umfeld des Elbinger Bürgermeisters Hartwig Bedeken ist daher kritisch zu prüfen und kann nach dem derzeitigen Stand der Quellen nicht als gesichert gelten.