Bonaventura I. von Bodeck

Quellen und Überlieferung

Biographischer Rahmen

Bonaventura I. wird in frühen Quellen in Thorn als Kaufmann bezeichnet. Seine Tätigkeit im Fern- und Wechselhandel verweist auf eine Einbindung in überregionale Handelsnetzwerke. In der Mitte des 16. Jahrhunderts verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Antwerpen, das zu dieser Zeit als eines der führenden Handelszentren Nordwesteuropas galt.

In Antwerpen ist Bonaventura als im Wechselgeschäft tätig belegt. Die Quellen weisen ihn als wirtschaftlich etabliert aus; er besaß ein Stadtpalais am Großen Markt. Am 1553 heiratete er in Amsterdam Agathe van Neck. Nach ihrem Tod im Jahr 1568 wurde sie in Antwerpen in der Minderbroederkerk am Hauptaltar beigesetzt.

Die religiösen und politischen Spannungen der 1580er Jahre führten schließlich zur Aufgabe seines Lebensmittelpunktes in Antwerpen. Nach dem Fall der Stadt 1585 verließ Bonaventura die südlichen Niederlande. Über Seeland gelangte er nach Lübeck, wo er in den Stadtchroniken erwähnt wird und als Miteigentümer von Immobilien erscheint. Später verlagerte sich sein dauerhafter Lebensmittelpunkt nach Frankfurt am Main.

Die kaiserliche Wappenbesserung und Nobilitierung von 1584

Im Jahr 1584 erhielt Bonaventura I. von Bodeck auf seine eigene Veranlassung hin durch Kaiser Rudolf II. eine kaiserliche Wappenbesserung. Die im Österreichischen Staatsarchiv, Wien, überlieferte Urkunde (Reichsadelsakten, RAA 36.31) stellt den Vorgang ausdrücklich in den Zusammenhang einer Nobilitierung und bestätigt die Erhebung für ihn und seine Nachkommen.

Die Datierung auf 1584 zeigt, dass Antrag und Bewilligung noch vor dem Fall Antwerpens im Jahr 1585 erfolgt sein müssen. Die Standeserhebung ist somit zeitlich von der späteren Emigration zu trennen.

Mit diesem Akt erscheint die Familie nicht mehr in der älteren Namensform „Bodeckher“, sondern in der Form „von Bodeck“. Es handelt sich dabei nicht um einen bloßen Namenszusatz, sondern um eine formale Namensänderung im Rahmen der kaiserlichen Erhebung.

Wappenzeichnung aus der kaiserlichen Urkunde von 1584 (RAA 36.31), Österreichisches Staatsarchiv, Wien
Wappenzeichnung aus der kaiserlichen Wappenbesserungsurkunde von 1584 (Österreichisches Staatsarchiv, Reichsadelsakten, RAA 36.31). Links die gebesserte Fassung mit Löwenbeifügung, rechts die ältere Form.

Quelle: Österreichisches Staatsarchiv, Wien, Reichsadelsakten, RAA 36.31.

Im gebesserten Wappen tritt neben dem bisherigen Motiv der Löwe hinzu. Eine ausdrückliche Begründung für diese heraldische Erweiterung ist in der Urkunde nicht überliefert. Ob die Motivwahl im Zusammenhang mit der veränderten politischen und persönlichen Situation Bonaventuras I. in den 1580er Jahren stand, bleibt offen; eine gesicherte Deutung ist nicht möglich.

Das Frankfurter Epitaph

Bonaventura I. von Bodeck verstarb am 4. August 1591 in Frankfurt am Main. Zu diesem Zeitpunkt lebten von seinen fünf überlieferten Kindern noch seine beiden Söhne Johann senior und Bonaventura II. Von den drei Töchtern waren zwei bereits zuvor verstorben; das Todesdatum der jüngsten Tochter ist nicht überliefert.

Ein unmittelbarer Beleg zum genauen Ort der Beisetzung ist nicht überliefert. Seine Kinder stifteten in der Peterskirche zu seinem Andenken ein Epitaph.

Epitaph Bonaventura I. von Bodeck, Peterskirche Frankfurt am Main
Epitaph Bonaventura I. von Bodeck, Peterskirche Frankfurt am Main.

Frankfurt am Main, Institut für Stadtgeschichte (ISG), H.20.01, Nr. 11.

Das Epitaph bestätigt das Todesdatum (4. August 1591) sowie das Lebensalter von 79 Jahren, 22 Tagen und 11 Stunden.

Transkription

Original (Latein) Deutsche Übersetzung
D.O.M.S. Dem besten und höchsten Gott geweiht.
Certamen bonum decertavi,
cursum consummavi, fidem servavi:
quod superest reposita est mihi
justitiae corona, quam reddet mihi
Dominus in illo die, qui est justus judex,
non solum autem mihi,
sed et omnibus qui diligunt adventum ipsius.
II Tim. IV.
Ich habe den guten Kampf gekämpft,
den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt.
Nun liegt für mich bereit
die Krone der Gerechtigkeit,
die mir der Herr an jenem Tag geben wird,
der gerechte Richter,
nicht nur mir,
sondern allen, die sein Erscheinen lieben.
(2. Timotheus 4,7–8)
D. Bonaventurae Bodecker,
viro cum singulari erga Deum pietate,
et vitae innocentia,
tum generis splendore
et multarum linguarum
ac rerum usu clarissimo,
qui vixit annos LXXIX,
dies XXII, horas XI.
Dem Bonaventura Bodecker,
einem Mann von außergewöhnlicher Frömmigkeit gegenüber Gott,
von untadeligem Lebenswandel,
edler Herkunft,
hervorragend durch Kenntnis vieler Sprachen
und praktische Erfahrung in vielen Dingen,
der lebte 79 Jahre,
22 Tage und 11 Stunden.
Parenti optime merito
ejus devotissimi filii
faciundum curaverunt.
Seine ihm in besonderer Weise ergebenen Kinder
ließen ihrem hochverdienten Vater
dieses Denkmal errichten.
Obiit A. Redemptoris Humani MDXCI
ex ante diem nonam Augusti.
Er starb im Jahr des menschgewordenen Erlösers 1591,
am 4. August.

Das Stammregister in Den Haag

Das unter der Signatur WPB 096 in der Koninklijke Bibliotheek in Den Haag überlieferte Werk trägt den Titel „Genealogia oder Stamm Register des uralten adelichen Geschlechts derer von Bodeckh“. Es entstand um 1680 und stellt eine genealogische Zusammenstellung des späten 17. Jahrhunderts dar.

Das Manuskript wurde mehrere Jahrzehnte nach dem Tod Bonaventuras I. verfasst und fasst die bis dahin tradierte Familienüberlieferung zusammen. Es bietet wertvolle Hinweise zur genealogischen Entwicklung, ist jedoch zeitlich deutlich von den behandelten Ereignissen entfernt.

Stammregister der Familie von Bodeck, Den Haag, um 1680
Stammregister der Familie von Bodeck, Den Haag, um 1680.

Den Haag, Koninklijke Bibliotheek, Signatur WPB 096: „Genealogia oder Stamm Register des uralten adelichen Geschlechts derer von Bodeckh“, Johann von Bodeckh (fl. 1680), um 1680.

Zur Wappendarstellung

Im Stammregister erscheint das Wappen Bonaventuras I. in geteilter Form: oben ein goldenes Kreuz auf blauem Grund, unten ein roter Löwe auf goldenem Grund. Eine entsprechende Darstellung ist in der zeitnahen Überlieferung zum Jahr 1584 nicht belegt.

Die gewählte Teilung spiegelt die genealogische Systematisierung des späten 17. Jahrhunderts wider.

Zur Familie van Neck

Im Stammregister wird Agathe van Neck als Tochter eines Arnold van Neck bezeichnet. Bereits frühere genealogische Überlieferungen führen diese Angabe in gleicher Form.

Eine zeitnahe urkundliche Bestätigung dieser Abstammungsangabe liegt bislang nicht vor.

Zum zugeschriebenen Porträt Agathe van Neck

In der kunsthistorischen Überlieferung ist ein Porträt bekannt, das mit Agathe van Neck in Verbindung gebracht wird. Das RKD – Netherlands Institute for Art History führt die dargestellte Person als „waarschijnlijk Aechje van Neck“, also als wahrscheinlich mit ihr zu identifizieren.

Eine gesicherte Identifizierung liegt jedoch nicht vor. Auf eine Abbildung wird daher bewusst verzichtet.

Die unmittelbare Nachkommenschaft

Mit der im Jahr 1584 erfolgten Wappenbesserung und Standeserhebung führte die Familie den Namenszusatz „von Bodeck“. Bei denjenigen Kindern Bonaventuras I., die nach 1584 lebten, ist dieser Zusatz entsprechend vermerkt.

Zu Johann senior und Bonaventura II. folgen gesonderte Kontextdarstellungen.