Kapitel 5 – Linien, Zweige und Verzweigungen
Vorbemerkung
Die genealogische Entwicklung der Familie von Bodeck ist nicht als lineare Abfolge einzelner Generationen zu verstehen, sondern als historischer Prozess der Differenzierung in mehrere Linien und Zweige. Diese Linienbildung lässt sich nicht abstrakt aus Stammbaumdarstellungen ableiten, sondern muss aus konkreten Lebensläufen, Ortswechseln und sozialen Bindungen rekonstruiert werden.
Innerhalb dieser Entwicklung nimmt Bonaventura I. eine zentrale Stellung ein. Mit ihm wird die Familie erstmals in mehreren europäischen Räumen zugleich greifbar: im ostmitteleuropäischen Herkunftsraum, im niederländischen Handelsmilieu und schließlich im Reichsgebiet. Sein Lebensweg bildet den historischen Ausgangspunkt jener genealogischen Ausfächerung, aus der sich in der folgenden Generation jene genealogischen Hauptlinien entwickeln, die in Frankfurt und Ellgau ihre dauerhafte Ausprägung finden.
Die Darstellung der Linien folgt daher nicht einem schematischen Modell, sondern einer historischen Logik: Ausgangspunkt sind konkrete Personen und Orte, aus denen sich die genealogischen Strukturen der Familie erschließen lassen.
5.1 Bonaventura I. von Bodeck: Thorn – Antwerpen – Frankfurt
Bonaventura I. von Bodeck steht am Beginn der genealogisch fassbaren Entwicklung der Familie im Reichsgebiet. Geboren in Thorn, wirkte er zunächst im hansisch geprägten Handelsmilieu des Ostseeraums, bevor er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in die Niederlande verlagerte. Mit seiner Niederlassung in Antwerpen und der Heirat mit Agathe van Neck im Jahr 1553 verband sich die Familie von Bodeck mit dem niederländischen Kaufmanns- und Bankiersmilieu.
Die politischen und konfessionellen Umbrüche in den Niederlanden führten schließlich zur Übersiedlung der Familie nach Frankfurt am Main, wo sich Bonaventura I. dauerhaft niederließ und die Grundlage für die weitere Entwicklung im Reich legte.
Aus der Ehe mit Agathe van Neck gingen fünf Kinder hervor:
- Maria von Bodeck (* 5. Juli 1554; † 21. Oktober 1572)
- Johann von Bodeck, genannt Johann senior (* 5. September 1555; † 2. August 1631)
- Bonaventura von Bodeck, später Bonaventura II. (* 12. September 1556; † 4. Januar 1629)
- Adelgunde von Bodeck (* 16. April 1558; † 21. Dezember 1578)
- Agathe von Bodeck (* 7. November 1564; Todesdatum unbekannt)
Während die Töchter teilweise früh verstarben, begründeten die beiden Söhne Johann senior und Bonaventura II. die genealogische Fortführung der Familie und stehen am Anfang der späteren Linienbildung.
Mit dem Tod Bonaventuras I. im Jahr 1601 in Frankfurt endet die erste Generation der im Reich ansässigen Familie. Die eigentliche Ausprägung dauerhafter Linien setzt in der folgenden Generation ein.
5.2 Die Frankfurter Linie
Mit Johann von Bodeck setzt die in Frankfurt am Main verankerte Fortführung der Familie ein.
Johann wuchs im niederländischen Umfeld auf und lebte in Antwerpen, das im 16. Jahrhundert zu den führenden Handels- und Bildungszentren Europas gehörte.
Eine entscheidende Zäsur bildeten die Ereignisse der Jahre 1584/1585. Mit dem Beginn der Belagerung Antwerpens durch spanische Truppen unter Alessandro Farnese (1584) und der Vollendung der Schiffssperre der Schelde (Februar 1585) verschärfte sich die politische und wirtschaftliche Lage der Stadt erheblich. In dieser Situation verließen zahlreiche protestantische Kaufleute und ihre Familien Antwerpen.
1585 schloss sich auch Johann von Bodeck der Abwanderungsbewegung aus Antwerpen an. Nach späterer Überlieferung verließ er die Stadt gemeinsam mit seiner am 24. Juni 1585 getrauten Ehefrau Maria Bormann wenige Wochen nach der Eheschließung. In der Folge verlagerte sich der Lebensmittelpunkt der Familie in den Reichsraum; Frankfurt am Main wurde zum dauerhaften Mittelpunkt der Frankfurter Linie.
Die Verbindung mit dem Haus Bormann war nicht nur familiär, sondern auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Johann trat in das bereits funktionierende Wechsel- und Handelsgeschäft ein und baute es im Frankfurter Umfeld weiter aus. Über Maria Bormann bestanden enge Geschäftsbeziehungen zu ihrer Familie, insbesondere zu ihrer Mutter Cornelia Bormann, die im Frankfurter Handels- und Finanzwesen eine zentrale Rolle spielte.
Unter Johann von Bodecks Mitwirkung erreichte das Unternehmen ein hohes wirtschaftliches Niveau und war in internationale Handels- und Finanzbeziehungen eingebunden. Sein Vermögen erreichte eine Größenordnung, die ihn in der späteren Überlieferung und im Kontext der Frankfurter Wirtschaftsgeschichte als ersten „Guldenmillionär“ der Stadt erscheinen lässt.
Zugleich gilt Johann von Bodeck als einer der maßgeblichen Vertreter jener Kaufmannsschicht, aus deren Aktivitäten sich die Frankfurter Börsenpraxis entwickelte; in diesem Sinne wird er in der späteren Darstellung als Mitbegründer der Frankfurter Börse angesehen.
Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit nahm Johann von Bodeck eine herausgehobene Stellung innerhalb der niederländischen Gemeinde Augsburgischer Konfession in Frankfurt ein. Über längere Zeit war er ihr Vorsitzender und gehörte damit zu den führenden Repräsentanten der niederländisch-protestantischen Kaufmannschaft der Reichsstadt.
Frankfurt wurde zum dauerhaften Lebensmittelpunkt der Familie. Aus der Ehe mit Maria Bormann gingen insgesamt zehn Kinder hervor, die in Frankfurt geboren wurden. Mit ihnen setzt die genealogisch breite Fortführung der Frankfurter Linie ein.
Die unmittelbare Nachkommenschaft
Aus der Ehe Johann von Bodecks mit Maria Bormann gingen zehn Kinder hervor:
-
Bonaventura von Bodeck
* 11.07.1588 Frankfurt am Main
† 11.01.1627 Straßburg -
Johann von Bodeck (genannt Johann junior)
* 22.12.1589 Frankfurt am Main
oo 29.06.1617 Susanna van Uffeln
† 19.11.1650 Utrecht
(linienführend) -
Arnd von Bodeck
* 25.03.1592 Frankfurt am Main
† 17.12.1639 Utrecht -
Cornelia von Bodeck
* 13.08.1593 Frankfurt am Main
oo 19.10.1612 Karl von Rehlingen
† 18.01.1631 Utrecht -
Maria von Bodeck
* 22.12.1595 Frankfurt am Main
oo 28.04.1617 Dominicus van Uffeln
† 25.05.1619 -
Ferdinand von Bodeck
* 06.10.1599 Frankfurt am Main
† 21.08.1601 -
Carl Michael von Bodeck
* 18.10.1589 Frankfurt am Main
† 17.08.1601 -
Agathe von Bodeck
* 21.12.1601
oo 1) 11.06.1627 Christoph von Rothleben
oo 2) Kaspar van Uffeln
† 11.03.1641 -
Susanne von Bodeck
* 30.11.1603 Frankfurt am Main
† 06.05.1643 Frankfurt am Main -
Katharina von Bodeck
* 10.10.1608
oo 29.06.1629 Walther Greck von und zu Kochendorf
† 17.09.1639
Johann von Bodeck verstarb 1631 in Frankfurt am Main.
Mit Johann von Bodeck erhielt die Familie im römisch-deutschen Reich eine dauerhafte wirtschaftliche und gesellschaftliche Verankerung in Frankfurt am Main. Seine unternehmerische Tätigkeit, seine Stellung innerhalb der niederländischen Gemeinde Augsburgischer Konfession sowie die breit gefächerte Nachkommenschaft prägten die weitere Entwicklung der Frankfurter Linie im 17. Jahrhundert.
5.3 Die ellgauische Linie
Vorwort: Ellgau
Ellgau bezeichnet im Rahmen dieses Kapitels den historischen Herrschafts- und Siedlungsraum, der dem heutigen Elgg im oberen Eulachtal entspricht. Der Ort liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Winterthur, nahe der Grenze zum Kanton Thurgau, und bildet einen klar umrissenen Raum im nordöstlichen Schweizer Mittelland.
Die Herrschaft Ellgau entstand im spätmittelalterlichen Einflussbereich der Habsburger und wechselte über längere Zeit mehrfach den Besitzer. Diese Vorgeschichte bildet den historischen Rahmen für den Erwerb von Schloss und Herrschaft Ellgau durch den kaiserlichen Rat Bonaventura II. von Bodeck im Jahr 1599, der einen wichtigen Abschnitt der Familiengeschichte einleitet.
Im Folgenden steht daher die genealogische Entwicklung des ellgauischen Hauptastes der Familie von Bodeck im Mittelpunkt. Ellgau erscheint dabei weniger als bloßer Besitzort, sondern als identitätsstiftender Bezugspunkt einer Familienlinie, in der sich territorialer Besitz, soziale Stellung und genealogische Kontinuität verbinden.
Quellen u. a.: Staatsarchiv Zürich, Bestand W I 26; zeitgenössische Urkunden; lokale Geschichtsdarstellungen.
5.3.1 Bonaventura II. von Bodeck zu Ellgau
Bonaventura II. von Bodeck zu Ellgau wurde 1556 in Antwerpen geboren. Er war ein Sohn Bonaventuras I. von Bodeck und Bruder Johann von Bodeck. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzungen der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts floh er gemeinsam mit seinem Vater, seinem Bruder und seiner Schwägerin Maria vor den spanischen Truppen zunächst nach Frankfurt am Main.
Im Jahr 1584 heiratete Bonaventura II. in Augsburg Katharina von Rehlingen, die einer führenden Augsburger Familie aus dem Finanzwesen entstammte. Im Zusammenhang mit dieser Eheschließung nahm er den katholischen Glauben an. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Die erste Tochter, Anna Constantia von Bodeck, wurde 1586 in Frankfurt geboren. Sie heiratete 1607 in Ellgau Reinhard Casimir Wambold von Umstadt.
In der Rückschau erscheint Bonaventura II. von Bodeck zu Ellgau als ein Herrschaftsträger, dessen Regierungsstil durch Strenge und Ordnungssinn, zugleich aber durch ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für die Stabilität der Herrschaft geprägt war. Er verlangte die konsequente Einhaltung von Abgaben- und Dienstpflichten, verband diese jedoch mit dem Anspruch, Rechtssicherheit, administrative Verlässlichkeit und wirtschaftliche Entwicklung zu gewährleisten.
Unter seiner Herrschaft erlebte Ellgau eine Phase nachhaltiger Konsolidierung und wirtschaftlicher Belebung, deren Wirkungen über seinen Tod im Jahr 1629 hinaus spürbar blieben. Die von ihm geschaffenen administrativen und wirtschaftlichen Strukturen bildeten die Grundlage für die weitere Entwicklung der ellgauischen Linie der Familie von Bodeck.
Die weiteren Kinder Bonaventuras II. – überwiegend Söhne – setzten jeweils eigene Zweige der Familie fort. Zwei Söhne sowie eine Tochter namens Maria verstarben im Säuglingsalter. Zu den Söhnen Bonaventuras II. zählen:
- Bonaventura III., geboren 1588 in Augsburg, verheiratet mit Salomé von Thurberg,
- Carl Wolf, geboren 1589 in Augsburg, verheiratet mit Maria Salome Zornin von Bulach,
- Hans Melchior, geboren 1590 in Augsburg, verheiratet mit Hadewig von (van) Brakele,
- Friedrich, geboren 1592 in Augsburg, verheiratet zunächst mit Carolet de Logier und in zweiter Ehe mit Margarete Elisabeth Tilser,
- Godfried, geboren 1601 in Augsburg, verheiratet mit Anna Elisabeth von Mauchenheim genannt von Bechtholsheim.
Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Katharina von Rehlingen im Jahr 1612 heiratete Bonaventura II. Ursula von Bärenfels. In Ellgau war er überwiegend als Träger der Herrschaftsrechte tätig und übte sowohl die niedere als auch die hohe Gerichtsbarkeit aus. Zeitgenössische Überlieferungen beschreiben ihn als hoch gebildet; er beherrschte mehrere Sprachen und galt als gerecht sowie konsequent in seinen Entscheidungen.
Bonaventura II. verstarb im Januar 1629 in Ellgau und wurde feierlich in der dortigen Ortskirche beigesetzt.
Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Hans Melchior und Bonaventura III. die Herrschaft Ellgau sowie das Schloss Pratteln. Die Söhne Carl Wolf und Friedrich führten das Frankfurter Bankgeschäft weiter, wobei Carl Wolf noch im selben Jahr wie sein Vater verstarb und diese Tätigkeit nur kurze Zeit ausübte.
Die Grabsteine mehrerer Mitglieder der Familie von Bodeck zu Ellgau wurden nach der Renovierung der Kirche in Ellgau in der Schlosskapelle aufgestellt und erinnern bis heute an die Präsenz der Familie im Ort.
Im Zusammenhang mit der Erbschaft hatten die Brüder Hans Melchior und Bonaventura III. an den Rat der Stadt Zürich eine Erbschaftssteuer in Höhe von insgesamt 20.000 Gulden zu entrichten, die ihnen in zehn Raten zu jeweils 2.000 Gulden gestundet wurde.
Um 1630 trennte sich Bonaventura III. von seinem Bruder Hans Melchior und von der Herrschaft Ellgau und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Pratteln. Hans Melchior verblieb zunächst in Ellgau, sah sich jedoch zunehmenden Auseinandersetzungen mit der örtlichen Bevölkerung ausgesetzt. Infolge dieser Konflikte veräußerte er am 15. Januar 1637 die Herrschaft Ellgau an den Winterthurer Statthalter Peter Sulzer für 58.200 Gulden. Anschließend lebte er auf seinem Gut in Wintersheim.
5.3.2 Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau
Innerhalb der ellgauischen Linie nimmt der Ast des Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau eine besondere Stellung ein. Er ist weniger durch repräsentativen Besitz als vielmehr durch persönliche Lebenswege, militärische Dienste und familiäre Kontinuität geprägt.
Hans Melchior steht am Beginn eines Familienzweigs, der den Übergang von den bewegten Verhältnissen der Frühneuzeit zu einer stärker ortsgebundenen Existenz vollzog. In einer weiterhin von konfessionellen und regionalen Spannungen geprägten Zeit gelang es ihm, den Familiennamen im Raum Ellgau dauerhaft zu verankern.
Der von ihm begründete Familienzweig entwickelte sich parallel zum ellgauischen Hauptast und bildete ein eigenständiges Element innerhalb der Gesamtlinie der Familie von Bodeck.
Unter den sechzehn Kindern Hans Melchiors von Bodeck zu Ellgau verstarben mehrere bereits in jungen Jahren. Einzelne Nachkommen verlagerten ihren Lebensmittelpunkt im Laufe des 17. Jahrhunderts in andere Regionen, darunter Worms, Thiel und Utrecht.
In den genealogischen Überlieferungen finden sich vereinzelt Hinweise auf außergewöhnliche Todesumstände. Eine quellenkritisch gesicherte Bewertung dieser Angaben ist jedoch nicht möglich, sodass sie hier lediglich als Bestandteil der Überlieferung vermerkt werden.
Nach der Neuordnung der Besitz- und Familienverhältnisse zwischen Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau und Bonaventura III. führte Hans Melchior die Herrschaft Ellgau zunächst allein weiter. Die Verwaltung gestaltete sich jedoch zunehmend schwierig, da wiederholte Einmischungen der zuständigen Zürcher Obrigkeit sowie daraus entstehende Streitigkeiten offenbar zu einer nachhaltigen Belastung wurden. Schließlich entschloss sich Hans Melchior 1637 zum Verkauf der Herrschaft Ellgau für 58.200 Gulden (Summe bislang weder durch Primär- noch durch Sekundärquelle gesichert) und zog sich anschließend auf sein Hofgut in Wintersheim zurück, wo er fortan seinen Lebensmittelpunkt nahm.
Insgesamt lief der von Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau begründete Familienzweig im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts aus.
5.3.3 Carl Wolf von Bodeck zu Ellgau
Carl Wolf von Bodeck zu Ellgau wurde 1589 in Augsburg geboren. Er war einer der älteren Söhne Bonaventuras II. von Bodeck zu Ellgau und gehörte derselben Generation an wie seine Brüder Hans Melchior, Friedrich und Bonaventura III. Carl Wolf von Bodeck zu Ellgau starb ohne bekannte Nachkommen; eine eigenständige Linienbildung ging von ihm daher nicht aus.
Carl Wolf verstarb im September 1629 infolge eines Pestleidens, nur wenige Monate nach dem Tod seines Vaters. Die zeitgenössische Pestwelle des Jahres 1629 erfasste vor allem größere Verkehrs- und Handelsräume sowie militärisch frequentierte Regionen. Ellgau zählt nach der überlieferten Quellenlage nicht zu den ausgewiesenen Pestschwerpunkten dieser Zeit.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Infektion Carl Wolfs nicht zwingend im unmittelbaren Umfeld Ellgaus erfolgte, sondern auch im Zusammenhang mit Aufenthalten außerhalb des Herrschaftsraums stehen kann. Eine eindeutige Lokalisierung des Infektionsortes lässt sich jedoch nicht vornehmen.
Im selben Jahr 1629 verstarben zudem zwei Töchter Hans Melchiors von Bodeck in Ellgau ebenfalls an der Pest. Diese Ereignisse markieren eine außergewöhnliche Häufung von Todesfällen innerhalb der Familie, ohne dass daraus auf eine dauerhafte Epidemielage in Ellgau geschlossen werden kann.
5.3.4 Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau und nachfolgender Zweig
Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau wurde 1588 in Augsburg geboren. Er heiratete Salomé von Thurberg; aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor.
Um 1630 trennte sich Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau von seinem Bruder Hans Melchior und vom Herrschaftsraum Ellgau und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Pratteln bei Basel.
Innerhalb der Nachkommenschaft Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau ist insbesondere der Sohn Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau für die weitere Entwicklung dieses Zweigs von Bedeutung.
5.3.4.2 Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau
Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau wurde im Jahr 1620 in Pratteln geboren. Er war ein Sohn Bonaventuras III. von Bodeck zu Ellgau und Salomés von Thurberg.
Johann Conrad war mit Helena von Molina verheiratet. Aus dieser Ehe gingen insgesamt acht Kinder hervor.
Mehrere seiner Söhne traten in militärische Dienste. Einzelne Nachkommen sind in unterschiedlichen Regionen nachweisbar. Über weitere Lebenswege der Kinder liegen nur fragmentarische genealogische Angaben vor.
Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau stand über einen Zeitraum von 22 Jahren in spanischen Militärdiensten. Er verstarb im Jahr 1670 in Dautenstein.
Innerhalb der Nachkommenschaft Johann Conrads von Bodeck zu Ellgau tritt insbesondere Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau hervor, der den Familienzweig im oberrheinischen Raum fortführte.
5.3.4.2.2 Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau
Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau wurde im Jahr 1645 geboren. Er war ein Sohn Johann Conrads von Bodeck zu Ellgau und Helenas von Molina.
Er heiratete Anna Maria vom Scharpfenstein genannt Pfeil. Aus dieser Ehe gingen Nachkommen hervor.
Im Laufe seines Lebens verlagerte Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau den Lebensmittelpunkt seiner Familie nach Oberkirch bei Straßburg.
In Oberkirch ließ Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau das Amtshaus errichten. Über dem Eingangsportal des Gebäudes ist das Allianzwappen der Familien von Bodeck und vom Scharpfenstein genannt Pfeil angebracht, das auf die eheliche Verbindung Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau mit Anna Maria vom Scharpfenstein genannt Pfeil verweist.
Aus der Ehe Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau gingen insgesamt zehn Kinder hervor. Mehrere Söhne traten in militärische Dienste. Ein Teil der Kinder verstarb bereits in früher Kindheit oder wurde tot geboren.
Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau verstarb im Jahr 1676.
5.3.4.2.3 Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau
Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau wurde im Jahr 1687 in Oberkirch geboren. Er war ein Sohn Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau.
Im Jahr 1716 heiratete er Maria Anna Augusta von Blittersdorf und Neusalz.
Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau ist in den genealogischen Überlieferungen als Träger der weiteren Linienentwicklung der ellgauisch-oberkirchischen Linie nachweisbar.
Er verstarb im Jahr 1735.
Die Nachkommenschaft Johann Philipp Ernsts von Bodeck zu Ellgau ist genealogisch mit drei Kindern belegt:
- Leopold Fidelis von Bodeck zu Ellgau, nähere genealogische Angaben nicht überliefert.
- Maria Theresia von Bodeck zu Ellgau, * 1726, verheiratet mit einem Angehörigen der Familie von Jungwirth.
- Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau, * 1729, Oberstleutnant, verheiratet mit Maria Euphemia Gabriele Josephine Ursula von Böcklin von Böcklingsau, † 1796.
Über Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau lässt sich die Linie der Familie von Bodeck zu Ellgau genealogisch weiterverfolgen.
5.3.4.2.4 Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau
Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau wurde im Jahr 1729 geboren. Er war ein Sohn Johann Philipp Ernsts von Bodeck zu Ellgau und Maria Anna Augusta von Blittersdorf und Neusalz.
Er trat in militärische Dienste ein und erreichte den Rang eines Oberstleutnants. Er war verheiratet mit Maria Euphemia Gabriele Josephine Ursula von Böcklin von Böcklingsau. Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau verstarb 1796.
Nach überlieferter Quelle lebte Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau mit seiner Familie bei Straßburg (der genaue Wohnort ist nicht überliefert, lag jedoch auf deutschem Territorium). Im Zuge der Ereignisse der Französischen Revolution sah sich die Familie gezwungen, den oberrheinischen Raum zu verlassen.
Die Familie siedelte nach Bamberg über. Diese Flucht und der Ortswechsel sind in der Leichenpredigt auf seinen Sohn, den späteren Domprobst, überliefert (diese Quelle wird im weiteren Verlauf der Darstellung erneut herangezogen).
5.3.4.2.4.1 Kinder Franz Johann Heinrich Nikolaus’ von Bodeck zu Ellgau
Aus der Ehe Franz Johann Heinrich Nikolaus’ von Bodeck zu Ellgau mit Maria Euphemia Gabriele Josephine Ursula von Böcklin von Böcklingsau gingen fünf Kinder hervor, deren genealogische Daten wie folgt belegt sind:
- Constantine Franziska Maria von Bodeck zu Ellgau, * 1771 in Straßburg. (Ein handschriftlicher Stammbaum aus ihrem Besitz befindet sich im Familienarchiv.)
- Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau, * 1773, linienführend.
- Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau, * 1776 in Straßburg, † 1838 als Domprobst zu Würzburg.
- Ludwig August von Bodeck zu Ellgau, nähere genealogische Angaben nicht überliefert.
- Maria Caroline Euphemie Leopoldine von Bodeck zu Ellgau, verheiratet mit Leopold Friedrich von Buseck.
Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau
Friedrich Carl Maria Freiherr von Bodeck zu Ellgau wurde am 5. Juli 1776 in Straßburg geboren. Er gehörte der Linie der von Bodeck zu Ellgau an, die sich seit dem 17. Jahrhundert im oberrheinischen Raum etabliert hatte.
Seine Jugend verbrachte er im Umfeld des elterlichen Hauses sowie auf den Gütern der Familie. Im Alter von zwölf Jahren wurde er an die fürstbischöfliche Pagerie in Bruchsal aufgenommen, wo er eine seiner Herkunft entsprechende Ausbildung erhielt. Nach Bildungsreisen durch verschiedene Länder entschied er sich für den geistlichen Stand.
Im Zuge der Französischen Revolution wurde der Besitz der Familie im Elsass bedroht und teilweise zerstört. Die Familie sah sich gezwungen, den elsässischen Raum zu verlassen. Vor diesem Hintergrund begab sich Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau im Jahr 1795 nach Fulda, wo er in das geistliche Leben eintrat.
Am 8. November 1795 trat er in Fulda in den geistlichen Stand ein. Er empfing am 23. Dezember 1797 die Subdiakonatsweihe, am 18. Mai 1799 die Diakonatsweihe und am 7. Juni 1800 die Priesterweihe. Bereits am 30. September 1800 wurde er Mitglied des Domkapitels.
Neben seinen geistlichen Aufgaben übernahm er bedeutende administrative Funktionen. Als sogenannter Commensalis (Bei-Propst) war er einem Propst beigeordnet; im Jahr 1801 wurde er Präsident des Oberen Senats und der Polizei. Von 1812 bis 1816 wirkte er als oberster Berater der Schulaufsicht.
Die Lebenszeit Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau fiel in die Epoche der Säkularisation und der politischen Neuordnung Deutschlands. Mit der Aufhebung der geistlichen Fürstentümer im Jahr 1802 endete die landesherrliche Stellung des Hochstifts Fulda. In den folgenden Jahren erlebte das Gebiet mehrfachen Regierungswechsel, darunter die Herrschaft Nassau-Oraniens, die französische Verwaltung sowie die Regierung des Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg.
Nach den territorialen Neuordnungen der Jahre nach 1815 nahm er später in Bamberg festen Wohnsitz, wo seine Mutter lebte und wo die Familie von Bodeck zu Ellgau fortan einen neuen Lebensmittelpunkt fand. Dieser Ortswechsel markiert den Übergang der Familie vom elsässischen Raum in den fränkischen Adel.
Im Jahr 1830 wurde Friedrich Carl Maria von Bodeck zu Ellgau durch Papst Pius VIII. mit Zustimmung des Königs von Bayern zum Domprobst des Würzburger Domkapitels ernannt. Am 3. November 1830 wurde er feierlich in sein Amt eingeführt.
Am 15. Oktober 1836 ernannte ihn der Bischof von Würzburg zum Generalvikar des Bistums. Dieses Amt übte er bis kurz vor seinem Tod aus. Er verstarb am 24. Mai 1838 in Würzburg.
Sein Lebensweg steht exemplarisch für den Wandel der Familie von Bodeck zu Ellgau im Übergang vom Alten Reich zur neuzeitlichen Staatenordnung. Mit ihm verbindet sich die Geschichte der Familie endgültig mit dem fränkischen Raum.
Eine besondere Bedeutung für die weitere Entwicklung der Familie gewann die Verbindung zu fränkischen Adelsgeschlechtern. Durch die Ehe seiner Schwester Maria Caroline Euphemie Leopoldine von Bodeck zu Ellgau mit Leopold Friedrich von Buseck entstand ein enger Bezug zum Bamberger Hochadel, der für die spätere Geschichte der Familie von Bodeck zu Ellgau von nachhaltiger Bedeutung werden sollte.
5.3.4.2.4.1.1 Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau
Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau, * 27.10.1773, oo mit Leopoldine von Würtzburg, † 16.02.1851 in Bamberg.
Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau erwarb auf Drängen des letzten Fürstbischofs von Bamberg das säkularisierte Kloster Heidenfeld. Das ehemalige Kloster wurde in der Folge als Schloss Heidenfeld genutzt und bildete fortan einen zentralen Besitz der Familie von Bodeck zu Ellgau.
Schloss Heidenfeld und die Säkularisation
Die Auflösung vieler Klöster in Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts geht wesentlich auf die politischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit zurück. Ausgehend von Napoleon I. wurden die geistlichen Fürstentümer und Klöster im Heiligen Römischen Reich säkularisiert, das heißt in weltlichen Besitz überführt.
Auch das Kloster Heidenfeld war von diesen Maßnahmen betroffen. Nach der Aufhebung des Klosters gelangte die Anlage zunächst in private Hände. Wenige Jahre später erwarb Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau den Besitz. Das ehemalige Kloster wurde in der Folge als Schloss Heidenfeld genutzt und bildete fortan einen zentralen Besitz der Familie von Bodeck zu Ellgau.
Kinder von Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau
- Euphemia von Bodeck zu Ellgau, * 1808, † 27.12.1870 in Bamberg
- Theresia Leopoldine von Bodeck zu Ellgau, * 12.01.1804, oo mit Christoph Franz Armand von Buseck. Die Verbindung mit der Familie von Buseck knüpft an bereits früher bestehende verwandtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Familien an.
- Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau, * 18.03.1805 in Würzburg, † 17.09.1884 in Heidenfeld, oo mit Euphemia Antonia Maria Eugenia Franziska Huberta von Zandt
5.3.4.2.4.1.1.1 Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau
Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau, * 18.03.1805 in Würzburg, † 17.09.1884 in Heidenfeld, oo mit Euphemia Antonia Maria Eugenia Franziska Huberta von Zandt.
Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor:
- Maria Emilie von Bodeck zu Ellgau, * 30.07.1843 in Heidenfeld, † 22.10.1910 in Stotzheim/Elsaß, oo 14.09.1854 Karl Raimund Graf von Andlau-Homburg
- Therese Caroline von Bodeck zu Ellgau, * 24.06.1844, † in Würzburg, Äbtissin des Albert-Carolinen-Stifts für adelige Damen in Freiburg
- Maximilian Friedrich Karl von Bodeck zu Ellgau, * 27.02.1846, † 20.08.1852
- Karl Maximilian Maria Bonaventura von Bodeck zu Ellgau, * 24.11.1849 in Hasenfeld, † ledig 29.03.1878
- Friedrich Max Maria von Bodeck zu Ellgau, * 09.05.1854, † ledig 02.09.1906 in München
- Maria Caroline Huberta Benigna von Bodeck zu Ellgau, * 13.02.1856, † 28.06.1913 in Würzburg, trat 1897 in das St.-Anna-Stift zu Würzburg ein
- August Max Emil Maria von Bodeck zu Ellgau, * 22.09.1857, † ledig 11.07.1910
- Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau (linienführend), * 01.03.1842, oo 1870 Maria Anna Caroline Franziska Henrietta Theodora von Hallberg zu Broich, † 12.10.1907
Von den acht Kindern führte Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau als einziger Sohn die Linie fort.
5.3.4.2.4.1.1.1.1 Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau
Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau war k.u.k.-Offizier und lebte mit seiner Familie im Raum Bregenz. Nachdem die Linie auf Heidenfeld keine Nachfolger mehr stellte, kam das Schloss schließlich wieder in kirchlichen Besitz. Michael von Faulhaber wirkte maßgeblich daran mit, dass die Anlage erneut einer geistlichen Nutzung zugeführt und als Kloster Heidenfeld etabliert wurde.
Kinder von Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau
- Antonia Theresia von Bodeck zu Ellgau, * 26.03.1882 in Hörbranz, † 20.03.1961 in München, oo 16.05.1903 Eduard Oskar Wilhelm von Brück; nach der Scheidung führte sie wieder ihren Geburtsnamen von Bodeck zu Ellgau.
- Maximilian Otto Gustav Hubert Bonaventura Maria von Bodeck zu Ellgau, * 03.09.1883 in Hörbranz, † 28.07.1902. Er war k.u.k.-Kadettenschüler. Mit seinem frühen Tod erlosch die männliche Linie der Heidenfelder Linie der Familie von Bodeck zu Ellgau, deren genealogischer Ursprung bis zu Bonaventura III. zurückreicht.
Namensformen in den Grabinschriften
Die Grabinschriften der Familie in Heidenfeld zeigen unterschiedliche Namensformen. Auf den Grabsteinen von Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau, seiner Ehefrau und ihrer Kinder erscheint die Form „Bodeck von Ellgau“, während auf den Grabstätten in Heidenfeld die Schreibweise „von Bodeck-Ellgau“ verwendet wird.
Diese Varianten spiegeln keine unterschiedlichen Familienzugehörigkeiten wider, sondern unterschiedliche zeitgenössische Schreibweisen des Familiennamens. Sie dokumentieren die Entwicklung und den Gebrauch des Namens im 19. und frühen 20. Jahrhundert im funerären Kontext.
5.3.5 Friedrich von Bodeck zu Ellgau
Friedrich von Bodeck zu Ellgau wurde 1592 in Augsburg geboren. Er gehört jener Generation an, deren Erwachsenenleben vollständig in die Epoche des Dreißigjährigen Krieges fiel und deren Lebensläufe in besonderer Weise von Mobilität, Unsicherheit und militärischer Verpflichtung geprägt waren.
Friedrich war militärisch tätig und wird in den Quellen als Kapitän bezeichnet. Dies weist auf eine militärische Laufbahn hin. Seine militärische Tätigkeit könnte erklären, weshalb er höchstwahrscheinlich über längere Phasen nicht dauerhaft an einen festen Ort gebunden war und sich die Familie in unterschiedlichen Regionen des Reichs und der Niederlande aufhielt.
Im Jahr 1621 ging Friedrich seine erste Ehe mit Carolet de Logier ein. Nach deren Tod heiratete er am 2. Juli 1632 in zweiter Ehe Margarete Elisabeth Titser. Friedrich von Bodeck starb im Jahr 1665.
Friedrich hatte insgesamt acht Kinder. Die Familie wurde jedoch von einem schweren Einschnitt getroffen, als im Jahr 1636 in Tiel sechs seiner Kinder im Kindesalter nachweislich an der Pest verstarben. Dieses Ereignis führte zu einer nahezu vollständigen Auslöschung dieser Generation und stellt einen zentralen Wendepunkt innerhalb des Friedrich-Zweigs dar.
Bereits 1628 war eine Tochter namens Bonaventura verstorben. Sie erreichte kein volles Lebensjahr und wurde in Utrecht beigesetzt. Die Vergabe dieses traditionell männlichen Vornamens stellt innerhalb der Familie eine seltene Namensform dar.
Der einzige überlebende Sohn Friedrichs war Adolf Bodeck von Ellgau, geboren 1623 in Utrecht. Er heiratete am 8. April 1645 in Utrecht Nelechien Jans van Gelder und fiel 1673 bei den Kämpfen um Maastricht im Zusammenhang mit den Kriegen Ludwigs XIV. gegen die Niederlande.
Bereits in der Generation Adolf von Ellgau und seines Sohnes Matthias von Ellgau wird ein Wandel der Namensform sichtbar. Während in älteren Quellen noch die Herkunftsbezeichnung „von Bodeck zu Ellgau“ erscheint, tritt nun zunehmend die verkürzte Form „von Ellgau“ beziehungsweise „Ellgau“ in den Vordergrund. In den folgenden Generationen verfestigen sich daraus die Schreibweisen „Ellgaß“ und schließlich „Elgas“.
In dieser Linie erscheint Ferdinand Ellgau (*1681 Missen im Allgäu, †1742, Sterbeort unbekannt) als Sohn des Matthias von Ellgau und der Magdalena Lerpscher. Die entsprechenden Tauf- und Familienangaben sind im Kirchenbuch der Pfarrei Missen überliefert (Mitteilung von Pfarrer Kieser).
Ferdinand Ellgau heiratete in Missen Kunigunde Höllmayerin. Über ihre Herkunft liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Als Sohn ist mit Sicherheit Franz Karl Elgaß (*1705 Missen) nachweisbar. Weitere Kinder sind möglich, konnten bislang jedoch nicht eindeutig belegt werden.
Mit Franz Karl Elgaß vollzieht sich eine geographische Verlagerung. Er verließ das Allgäu und erscheint später im nördlichen Saarland. Im Jahr 1738 heiratete er in der Pfarrei Wadrill Maria Franziska von Hillesheim. Im Heiratseintrag wird er als „aus Kastel kommend“ bezeichnet. Kastel liegt wenige Kilometer von Wadrill und Sitzerath entfernt und gehört heute zur Gemeinde Nonnweiler. Dies spricht dafür, dass Franz Karl bereits vor seiner Eheschließung in dieser Region ansässig war.
Mit dieser Generation verfestigt sich die Schreibweise „Elgaß“, während die ältere Form „Ellgau“ im Allgäu belegt bleibt. Der Wandel der Namensform ist dabei weniger als bewusste Abkehr denn als regionale Anpassung der Schreibpraxis zu verstehen.
Die Verlagerung des Lebensmittelpunkts vom Allgäu ins Saarland markiert eine neue Phase innerhalb dieser Linie, die sich fortan dauerhaft im nördlichen Saarraum nachweisen lässt.
Aus der Ehe des Franz Karl Elgaß gingen nach den Kirchenbüchern der Pfarrei Wadrill nachweislich zwei Söhne hervor.
Der ältere Sohn war Lucas Ellgas (*1738). Er heiratete zunächst Maria Philippina Massung und später Barbara Schaeffer. Aus diesen Ehen sind insgesamt sechs Kinder bekannt, deren Namen überliefert sind, zu denen bislang jedoch keine weiterführenden Lebensdaten ermittelt werden konnten.
Der zweite Sohn war Heinrich Ellgas (*24.01.1745), der ebenfalls nach den Kirchenbüchern von Wadrill heiratete, und zwar Barbara Hoeffer. Heinrich Ellgas verstarb am 04.07.1806.
Beide Söhne des Franz Karl Ellgaß sind kirchenbuchmäßig in der Pfarrei Wadrill fassbar. Ihr tatsächlicher Lebensmittelpunkt lag jedoch im nahegelegenen Sitzerath, wo sie nach den vorliegenden Einträgen auch verstorben sind.
Aus der Ehe des Heinrich Ellgas (*24.01.1745, †04.07.1806) mit Barbara Hoeffer gingen nach den Kirchenbüchern der Pfarrei Wadrill folgende Kinder hervor:
Johann Ellgau, *20.12.1771;
Nikolaus Ellgas, *06.02.1774, †13.04.1825, verheiratet mit Anna Maria Roeder;
Johann Carl Ellgas, *19.10.1776;
Franz Ellgas, *23.02.1779;
Katharina Elgas, *30.08.1780;
Peter Elgas, *20.07.1782, † ledig;
Elis Elgas, *05.11.1785, †29.08.1848;
Gertrud Elgas, †10.02.1844.
Mit dieser Generation ist die Familie dauerhaft im Raum Sitzerath nachweisbar. Besonders Nikolaus Ellgas begründete eine weiterführende Nachkommenschaft; aus seiner Ehe mit Anna Maria Roeder gingen sechs Kinder hervor, deren Linie sich über mehrere Generationen fortsetzte.
Zu den Kindern des Heinrich Ellgas gehörte auch Gertrud Elgas (†10.02.1844). Aus einer nicht näher benannten Vaterschaft ging ihr Sohn Heinrich Elgas (*06.02.1800) hervor, der den Familiennamen der Mutter führte.
Heinrich Elgas heiratete Anna Maria Andres. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor:
Johanna Elgas, *02.12.1821;
Maria Elgas, *22.01.1825, verheiratet mit Heinrich Mehl,
später ausgewandert nach Buffalo (USA);
Magdalena Elgas, *21.11.1831;
Peter Elgas, *03.02.1835;
Johann Elgas, *05.03.1838, †23.07.1894,
verheiratet am 29.01.1860 mit Anna Britz (†25.12.1905),
linienführend;
Petrus Elgas, *09.02.1842, †??.09.1911,
verheiratet am 31.05.1864 mit Katharina Becker;
Anna Maria Elgas, *22.10.1845, †23.03.1918.
Der als linienführend hervorgehobene Johann Elgas (*05.03.1838, †23.07.1894) heiratete am 29.01.1860 Anna Britz (†25.12.1905). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor:
Peter Elgas, *18.11.1866, †25.04.1941,
verheiratet am 15.06.1889 mit Maria Will (†19.11.1942);
Michael Elgas, *05.08.1868;
Michael Elgas, *30.04.1872;
Johann Elgas, *15.08.1873,
verheiratet am 13.02.1900 mit Gertrud Feit.
Aus der Ehe des Johann Elgas (*1873) mit Gertrud Feit gingen sechs Kinder hervor; zudem ist eine nachfolgende Enkelgeneration nachweisbar. Eine detaillierte Aufführung dieser Nachkommen erfolgt hier nicht, da über die bloßen Namensnennungen hinaus bislang keine weiterführenden biographischen Daten vorliegen.
Peter Elgas war gelernter Maurer. Seine Tätigkeit ging jedoch über das reine Handwerk hinaus; er trat in der Region zunehmend als selbständig tätiger Bauunternehmer hervor. Seine Ehefrau Maria Will führte ein Kolonialwarengeschäft und trug damit wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität der Familie bei.
Kinder von Peter Elgas und Maria Will:
- Helena Emma Elgas (*1907, †1987)
- Johann Jakob Elgas (*1899, †1900)
- Johann Jakob Elgas (*1911, †1929)
- Mathias Elgas (*1893, †1915)
- Nikolaus Elgas (*1895, †1920)
- Peter Elgas (*1903, †1973)
- Nikolaus Werner Elgas (*1909, †1987)
- Anna Elgas (*1889, †1973)
- Helena Maria Elgas (*1897, †1972)
- Maria Anna Elgas (*1891, †1976)
- Katharina Elgas (*1900, †1980)
- Mathilde Elgas (Lebensdaten bislang nicht gesichert)
- Nikolaus Heinrich Elgas (*1914, †1914)
Hintere Reihe (v. l. n. r.): Katharina, Mathias, Anna, Maria, Nikolaus, Helena (Lena).
Vordere Reihe (v. l. n. r.): Peter, Johann Jakob (gen. Hänschen), Maria Will, Emmi, Peter Elgas, Werner, Mathilde.
Nicht abgebildet sind: Johann Jakob (*1899, †1900) und Nikolaus Heinrich (*1914, †1914).
Quelle: Privates Familienarchiv.
Mit der Generation von Katharina Elgas, verheiratet mit dem Bergmann Nikolaus Paulus, verlagert sich der Lebensmittelpunkt der Familie vom Hunsrück in das Aachener Bergbaurevier. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, deren Lebenswege diesen Übergang widerspiegeln. Die Familie verzweigte sich in mehrere Linien, die bis in die Gegenwart fortbestehen.
Der Zweig Friedrich von Bodeck zu Ellgau zeigt in exemplarischer Weise die langfristige Transformation einer Familie von militärisch geprägten Lebensformen der Frühen Neuzeit über Migration und soziale Anpassung bis hin zur bürgerlich-handwerklichen und industriellen Lebenswelt des 19. und 20. Jahrhunderts.
Erinnerung, Herkunft und Wandel verbinden sich in der Geschichte der Familie von Bodeck zu einem fortdauernden Zusammenhang, der über Generationen hinweg sichtbar bleibt und die einzelnen Lebensläufe in einen größeren historischen Rahmen einordnet.