Kapitel 5 – Linien, Zweige und Verzweigungen

Vorbemerkung

Die genealogische Entwicklung der Familie von Bodeck ist nicht als lineare Abfolge einzelner Generationen zu verstehen, sondern als historischer Prozess der Differenzierung in mehrere Linien und Zweige. Diese Linienbildung lässt sich nicht abstrakt aus Stammbaumdarstellungen ableiten, sondern muss aus konkreten Lebensläufen, Ortswechseln und sozialen Bindungen rekonstruiert werden.

Innerhalb dieser Entwicklung nimmt Bonaventura I. eine zentrale Stellung ein. Mit ihm wird die Familie erstmals in mehreren europäischen Räumen zugleich greifbar: im ostmitteleuropäischen Herkunftsraum, im niederländischen Handelsmilieu und schließlich im Reichsgebiet. Sein Lebensweg bildet den historischen Ausgangspunkt jener genealogischen Ausfächerung, aus der sich in der folgenden Generation jene genealogischen Hauptlinien entwickeln, die in Frankfurt und Ellgau ihre dauerhafte Ausprägung finden.

Die Darstellung der Linien folgt daher nicht einem schematischen Modell, sondern einer historischen Logik: Ausgangspunkt sind konkrete Personen und Orte, aus denen sich die genealogischen Strukturen der Familie erschließen lassen.

Die weitere Entwicklung einzelner Linien steht im Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie mit zeittypischen Einflüssen wie kriegsbedingten Umbrüchen, Krankheits- und Seuchenzügen und anderen kontingenten Faktoren und ist daher nicht im Sinne einer linearen Entwicklung zu verstehen.

Ausgehend von Johann Bodeckher (* 1454 in Thorn) entwickelte sich die Familie im 16. Jahrhundert in zwei unterschiedliche Richtungen. Während seine Söhne Valentin und Erasmus im preußischen Raum der Hansestädte Thorn, Elbing und Danzig verblieben und dort eine patrizische Ratsfamilie bildeten, führte der Weg seines Sohnes Bonaventura I. nach Antwerpen, wo sich neue wirtschaftliche Möglichkeiten eröffneten.

Aus dieser westlichen Linie entwickelte sich später über Frankfurt am Main und Augsburg die süddeutsche Linie der Familie in Ellgau.

5.1 Bonaventura I. von Bodeck: Thorn – Antwerpen – Frankfurt

Bonaventura I. von Bodeck steht am Beginn der genealogisch fassbaren Entwicklung der Familie im Reichsgebiet. Geboren in Thorn, wirkte er zunächst im hansisch geprägten Handelsmilieu des Ostseeraums, bevor er seinen Tätigkeitsschwerpunkt in die Niederlande verlagerte. Mit seiner Niederlassung in Antwerpen und der Heirat mit Agathe van Neck im Jahr 1553 verband sich die Familie von Bodeck mit dem niederländischen Kaufmanns- und Bankiersmilieu.

Die politischen und konfessionellen Umbrüche in den Niederlanden führten schließlich zur Übersiedlung der Familie nach Frankfurt am Main, wo sich Bonaventura I. dauerhaft niederließ und die Grundlage für die weitere Entwicklung im Reich legte.

Aus der Ehe mit Agathe van Neck gingen fünf Kinder hervor:

Während die Töchter teilweise früh verstarben, begründeten die beiden Söhne Johann senior und Bonaventura II. die genealogische Fortführung der Familie und stehen am Anfang der späteren Linienbildung.

Mit dem Tod Bonaventuras I. im Jahr 1601 in Frankfurt endet die erste Generation der im Reich ansässigen Familie. Die eigentliche Ausprägung dauerhafter Linien setzt in der folgenden Generation ein.

5.2 Die Frankfurter Linie

Mit Johann von Bodeck setzt die in Frankfurt am Main verankerte Fortführung der Familie ein.

Johann wuchs im niederländischen Umfeld auf und lebte in Antwerpen, das im 16. Jahrhundert zu den führenden Handels- und Bildungszentren Europas gehörte.

Eine entscheidende Zäsur bildeten die Ereignisse der Jahre 1584/1585. Mit dem Beginn der Belagerung Antwerpens durch spanische Truppen unter Alessandro Farnese (1584) und der Vollendung der Schiffssperre der Schelde (Februar 1585) verschärfte sich die politische und wirtschaftliche Lage der Stadt erheblich. In dieser Situation verließen zahlreiche protestantische Kaufleute und ihre Familien Antwerpen.

1585 schloss sich auch Johann von Bodeck der Abwanderungsbewegung aus Antwerpen an. Nach späterer Überlieferung verließ er die Stadt gemeinsam mit seiner am 24. Juni 1585 getrauten Ehefrau Maria Bormann wenige Wochen nach der Eheschließung. In der Folge verlagerte sich der Lebensmittelpunkt der Familie in den Reichsraum; Frankfurt am Main wurde zum dauerhaften Mittelpunkt der Frankfurter Linie.

Die Verbindung mit dem Haus Bormann war nicht nur familiär, sondern auch wirtschaftlich von erheblicher Bedeutung. Johann trat in das bereits funktionierende Wechsel- und Handelsgeschäft ein und baute es im Frankfurter Umfeld weiter aus. Über Maria Bormann bestanden enge Geschäftsbeziehungen zu ihrer Familie, insbesondere zu ihrer Mutter Cornelia Bormann, die im Frankfurter Handels- und Finanzwesen eine zentrale Rolle spielte.

Johann von Bodeck, Porträt (1621)
Johann von Bodeck, Porträt mit Datierung 1621.
Foto: RKD – Netherlands Institute for Art History (Den Haag); aktueller Standort des Originals unbekannt.

Unter Johann von Bodecks Mitwirkung erreichte das Unternehmen ein hohes wirtschaftliches Niveau und war in internationale Handels- und Finanzbeziehungen eingebunden. Sein Vermögen erreichte eine Größenordnung, die ihn in der späteren Überlieferung und im Kontext der Frankfurter Wirtschaftsgeschichte als ersten „Guldenmillionär“ der Stadt erscheinen lässt.

Zugleich gilt Johann von Bodeck als einer der maßgeblichen Vertreter jener Kaufmannsschicht, aus deren Aktivitäten sich die Frankfurter Börsenpraxis entwickelte; in diesem Sinne wird er in der späteren Darstellung als Mitbegründer der Frankfurter Börse angesehen.

Neben seiner kaufmännischen Tätigkeit nahm Johann von Bodeck eine herausgehobene Stellung innerhalb der niederländischen Gemeinde Augsburgischer Konfession in Frankfurt ein. Über längere Zeit war er ihr Vorsitzender und gehörte damit zu den führenden Repräsentanten der niederländisch-protestantischen Kaufmannschaft der Reichsstadt.

Frankfurt wurde zum dauerhaften Lebensmittelpunkt der Familie. Aus der Ehe mit Maria Bormann gingen insgesamt zehn Kinder hervor, die in Frankfurt geboren wurden. Mit ihnen setzt die genealogisch breite Fortführung der Frankfurter Linie ein.

Die unmittelbare Nachkommenschaft

Aus der Ehe Johann von Bodecks mit Maria Bormann gingen zehn Kinder hervor:

Johann von Bodeck verstarb 1631 in Frankfurt am Main.

Mit Johann von Bodeck erhielt die Familie im römisch-deutschen Reich eine dauerhafte wirtschaftliche und gesellschaftliche Verankerung in Frankfurt am Main. Seine unternehmerische Tätigkeit, seine Stellung innerhalb der niederländischen Gemeinde Augsburgischer Konfession sowie die breit gefächerte Nachkommenschaft prägten die weitere Entwicklung der Frankfurter Linie im 17. Jahrhundert.

5.2.1 Johann von Bodeck jun. (1589–1650)

Johann von Bodeck jun., Sohn des Frankfurter Kaufmanns Johann von Bodeck sen. (1555–1631), gehört zur Generation, in der sich die Frankfurter Linie der Familie von Bodeck im frühen 17. Jahrhundert weiter verzweigte. Er heiratete am 29. Juni 1617 Susanna van Uffeln. Im Jahr 1632 verließ er mit seiner Familie Frankfurt und ließ sich in Utrecht nieder, wo er am 19. November 1650 verstarb.

Nachkommen

Johann von Bodeck jun., der seit 1632 mit seiner Familie in Utrecht lebte, verstarb dort am 19. November 1650.

5.2.1.1 Dominicus von Bodeck

Dominicus von Bodeck, Sohn des Johann von Bodeck jun. (1589–1650) und der Susanna van Uffeln, ist als Kaufmann und Bankier in Frankfurt am Main nachweisbar. Damit tritt ein Teil der Familie nach der Übersiedlung des Vaters nach Utrecht erneut im Frankfurter Handelsmilieu hervor.

Nachkommen

Besondere Bedeutung innerhalb dieser Nachkommenschaft erlangte Johann Bonaventura von Bodeck, dessen Familie mit sechs Kindern noch einmal eine umfangreiche Generation hervorbrachte. In der Linie seiner Nachkommen findet sich zugleich die letzte nachweisbare Erwähnung eines Mitglieds der Familie von Bodeck in Frankfurt. Mit Carl Maximilian von Bodeck läuft die Frankfurter Linie der Familie schließlich aus.


5.3 Der Danziger Zweig

Während sich mit Bonaventura I. aus Thorn kommend eine westliche Linie der Familie entwickelte, die über Antwerpen nach Frankfurt am Main führte und von dort aus später auch nach Augsburg und Ellgau weiterwirkte, blieb ein anderer Teil der Familie im preußischen Raum der Hansestädte. Bereits im 16. Jahrhundert erscheint dort eine Linie der Familie in den Städten Thorn, Elbing und später Danzig.

Der Ursprung dieses Zweiges führt in das 15. Jahrhundert zurück. Ausgehend von Johann Bodeckher (*1454 in Thorn), dem Vater von Bonaventura I., blieben zwei seiner Söhne im preußischen Raum der Hansestädte: Valentin und Erasmus.

Erasmus Bodeckher
* 15.06.1510 Thorn
Hansesekretär
oo 1536 Thorn Barbara Lisemann
† 1539 Thorn

Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

Neben dieser in Thorn nachweisbaren Linie entwickelte sich über den Bruder Valentin Bodeckher eine weitere Linie, die im 16. Jahrhundert vor allem in Elbing und später in Danzig hervortritt.

Valentin Bodeckher
* 13.02.1515 Thorn
Bürgermeister von Elbing
oo um 1540 Ursula von der Lohe
† 23.03.1575 Elbing

Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

Die Nachkommen dieser Linie gehörten über mehrere Generationen hinweg zur städtischen Führungsschicht der Region. Aus der in Elbing ansässigen Familie entwickelte sich später eine auch in Danzig vertretene patrizische Linie, deren Mitglieder wiederholt im Rat der Stadt nachweisbar sind.

Zu den bekannteren Vertretern dieser Linie gehört Valentin von Bodeck (*1578 in Elbing), der später in Danzig das Amt des Bürgermeisters bekleidete. Seine Ehe mit Agathe von der Linde, geschlossen am 21. August 1600 in Danzig, ist durch ein monumentales Hochzeitsgemälde überliefert, das die Festgesellschaft jener Verbindung darstellt.

Hochzeit des Danziger Bürgermeisters Valentin von Bodeck mit Agathe von der Linde, Danzig 1600
Hochzeit des späteren Danziger Bürgermeisters Valentin von Bodeck mit Agathe von der Linde, Danzig 1600. Monumentales Hochzeitsgemälde der Danziger Patriziergesellschaft, zugeschrieben Hermann Hahn (um 1600).
Quelle: gemeinfrei / Wikimedia Commons

5.4 Die ellgauische Linie

Ellgau

Ellgau entspricht dem historischen Herrschafts- und Siedlungsraum des heutigen Elgg im oberen Eulachtal. Der Ort liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Winterthur nahe der Grenze zum Kanton Thurgau und bildet einen klar umrissenen Raum im nordöstlichen Schweizer Mittelland.

Die Herrschaft Ellgau entstand im spätmittelalterlichen Einflussbereich der Habsburger und wechselte im Laufe der Zeit mehrfach den Besitzer. Diese Vorgeschichte bildet den historischen Rahmen für den Erwerb von Schloss und Herrschaft Ellgau durch den kaiserlichen Rat Bonaventura II. von Bodeck im Jahr 1599, der einen neuen Abschnitt der Familiengeschichte einleitete.

Mit dem Erwerb der Herrschaft Ellgau beginnt die Entwicklung des ellgauischen Hauptastes der Familie von Bodeck. Ellgau erscheint dabei weniger als bloßer Besitzort, sondern als identitätsstiftender Bezugspunkt einer Familienlinie, in der sich territorialer Besitz, soziale Stellung und genealogische Kontinuität verbinden.

5.4.1 Bonaventura II. von Bodeck zu Ellgau

Im Jahr 1584 heiratete Bonaventura II. in Augsburg Katharina von Rehlingen, die einer führenden Augsburger Familie aus dem Finanzwesen entstammte. In dieselbe Zeit fällt die Nobilitation seines Vaters Bonaventura I. von Bodeck durch den römisch-deutschen Kaiser, die mit einer Wappenbesserung verbunden war und den gesellschaftlichen Aufstieg der Familie endgültig festigte.

Kinder:

  1. Anna Constantia, * 1586 Frankfurt, oo 1607 Ellgau Reinhard Casimir Wambold von Umstadt, † 1642 Bischofszell.
  2. Maria, * 1587 Augsburg, † 1588 Ellgau.
  3. Bonaventura III., * 1588 Augsburg, oo Salomé von Thurberg.
  4. Carl Wolf, * 1589 Augsburg, oo Maria Salome Zornin von Bulach.
  5. Hans Melchior, * 1590 Augsburg, oo Hadewig von (van) Brakele.
  6. Friedrich, * 1592 Augsburg, oo I. Carolet de Logier, oo II. Margarete Elisabeth Tilser.
  7. Catharina, * Augsburg, † 1606 Ellgau.
  8. Godfried, * 1601 Augsburg, oo Anna Elisabeth von Mauchenheim genannt von Bechtolsheim.

In der Leichenpredigt Bonaventura II. werden insgesamt zehn Kinder genannt. Die Namen von zwei Kindern sind jedoch in den bislang bekannten Quellen nicht überliefert.

Seine erste Ehefrau Katharina von Rehlingen verstarb am 12. März 1603. Bonaventura II. lebte danach mehrere Jahre im Witwerstand. Erst um das Jahr 1612 heiratete er Ursula von Bärenfels, mit der er nach zeitgenössischer Überlieferung nahezu sechzehn Jahre in Ehe lebte.

Am 7. Mai 1598 erhielt Bonaventura II. von Bodeck als kaiserlicher Rat durch den römisch-deutschen Kaiser besondere Privilegien, die seine Stellung innerhalb des Reiches unterstrichen. Die überlieferten Schriftstücke zeigen, dass ihm unter anderem ein besonderer rechtlicher Schutz gewährt wurde, nach dem gerichtliche Maßnahmen gegen seine Person nur unter besonderen Voraussetzungen zulässig waren.

In Ellgau trat Bonaventura II. als Herrschaftsinhaber auf und übte sowohl die niedere als auch die hohe Gerichtsbarkeit aus. Zeitgenössische Überlieferungen beschreiben ihn als gebildeten Mann, der mehrere Sprachen beherrschte und als gerecht sowie konsequent in seinen Entscheidungen galt.

Der Erwerb von Schloss und Herrschaft Ellgau im Jahr 1599 ist durch eine Kaufurkunde dokumentiert, die sich heute im Staatsarchiv Graubünden erhalten hat. Eine Abbildung und nähere Erläuterungen finden sich auf der Kontextseite zur Herrschaft Ellgau .

Unter seiner Herrschaft erlebte Ellgau eine Phase nachhaltiger Konsolidierung und wirtschaftlicher Belebung, deren Wirkungen über seinen Tod im Jahr 1629 hinaus spürbar blieben. Die von ihm geschaffenen administrativen und wirtschaftlichen Strukturen bildeten die Grundlage für die weitere Entwicklung der ellgauischen Linie der Familie von Bodeck.

Bonaventura II. verstarb im Januar 1629 in Ellgau. Er wurde feierlich in der dortigen Ortskirche beigesetzt. Im Zuge von Renovierungsarbeiten an der Kirche im 19. Jahrhundert wurden die Grabsteine mehrerer Mitglieder der Familie von Bodeck aus der Kirche entfernt und in die Schlosskapelle überführt, wo sie sich bis heute erhalten haben.

Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Hans Melchior und Bonaventura III. zunächst gemeinsam die Herrschaft Ellgau sowie das Schloss Pratteln. Die Brüder Carl Wolf und Friedrich wandten sich den Finanzgeschäften ihres Vaters in Frankfurt zu. Carl Wolf verstarb jedoch noch im selben Jahr wie sein Vater, sodass er diese Tätigkeit nur kurze Zeit ausübte, während Friedrich später seinen Lebensweg im niederländischen Raum fortsetzte und in militärische Dienste trat.

Im Zusammenhang mit der Erbschaft hatten die Brüder Hans Melchior und Bonaventura III. an den Rat der Stadt Zürich eine Erbschaftssteuer in Höhe von insgesamt 20.000 Gulden zu entrichten, die ihnen in zehn Raten zu jeweils 2.000 Gulden gestundet wurde.

Um 1630 trennten sich die Wege der Brüder: Bonaventura III. verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Pratteln, während Hans Melchior zunächst in Ellgau verblieb und dort die Herrschaft ausübte. Die zunehmenden Auseinandersetzungen mit der örtlichen Bevölkerung sowie die wachsende Einflussnahme der Zürcher Obrigkeit führten schließlich dazu, dass Hans Melchior die Herrschaft Ellgau am 15. Januar 1637 an den Winterthurer Statthalter Peter Sulzer für 58.200 Gulden veräußerte. Anschließend lebte er auf seinem Gut in Wintersheim.

Schloss Ellgau (Elgg) in der frühen Neuzeit
Schloss Ellgau (Elgg) als Herrschaftssitz der Familie von Bodeck in der frühen Neuzeit.
Stich von David Herrliberger, ca. 1740.

5.4.2 Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau

Innerhalb der ellgauischen Linie begründete Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau einen eigenen Familienzweig, der sich zunächst parallel zu dem seines Bruders Bonaventura III. entwickelte.

Aus seiner Ehe gingen insgesamt sechzehn Kinder hervor, von denen mehrere bereits in jungen Jahren verstarben. Einzelne Nachkommen verlegten ihren Lebensmittelpunkt im Laufe des 17. Jahrhunderts in andere Regionen, darunter Worms, Tiel und Utrecht.

Nach einer Neuordnung der Besitzverhältnisse zwischen Hans Melchior von Bodeck zu Ellgau und Bonaventura III. führte Hans Melchior die Herrschaft Ellgau zunächst allein weiter. Die Verwaltung gestaltete sich jedoch zunehmend schwierig, da wiederholte Einmischungen der Zürcher Obrigkeit sowie daraus entstehende Streitigkeiten offenbar zu einer nachhaltigen Belastung wurden.

Schließlich entschloss sich Hans Melchior im Jahr 1637 zum Verkauf der Herrschaft Ellgau für 58.200 Gulden (die Summe ist bislang weder durch eine Primär- noch durch eine Sekundärquelle gesichert). Anschließend zog er sich auf sein Hofgut in Wintersheim zurück, wo er fortan seinen Lebensmittelpunkt nahm.

Der von Hans Melchior begründete Familienzweig erlosch im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts.

Kinder:

  1. Godfried von Bodeck
  2. Dietrich von Bodeck
  3. Petronella von Bodeck
  4. Christoph von Bodeck
  5. Johann Carl von Bodeck
  6. Anna Catharina von Bodeck
  7. Anna Salomé von Bodeck († Pest)
  8. Anna Constantia von Bodeck († Pest)
  9. Anna Maria von Bodeck
  10. Bonaventura von Bodeck
  11. Ernst Dietrich von Bodeck
  12. Reinhard Casimir von Bodeck
  13. Sophia Catharina von Bodeck
  14. Anna Maria von Bodeck
  15. Johann Melchior von Bodeck († ermordet in Tiel)
  16. Johann Adolf von Bodeck

Trotz der insgesamt sechzehn Kinder erlosch der von Hans Melchior begründete Familienzweig bereits im weiteren Verlauf des 17. Jahrhunderts.

5.4.3 Carl Wolf von Bodeck zu Ellgau

Carl Wolf von Bodeck zu Ellgau wurde 1589 in Augsburg geboren. Er war einer der älteren Söhne Bonaventuras II. von Bodeck zu Ellgau und gehörte derselben Generation an wie seine Brüder Hans Melchior, Friedrich und Bonaventura III.

Am 15. März 1619 heiratete er Maria Salome Zornin von Bulach.

Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich führte er nach dem Tod seines Vaters die Frankfurter Finanzgeschäfte der Familie weiter.

Carl Wolf verstarb im September 1629 infolge eines Pestleidens, nur wenige Monate nach dem Tod seines Vaters Bonaventura II. Eine eigenständige Linienbildung ging von ihm nicht aus, da keine Nachkommen bekannt sind.

5.4.4 Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau

Bonaventura III. von Bodeck zu Ellgau wurde am 28. Januar 1588 in Augsburg geboren. Er war ein Sohn Bonaventuras II. von Bodeck zu Ellgau und gehörte zur Generation der Brüder, die nach dem Tod des Vaters die Geschicke der Familie in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts weiterführten.

Diese Entwicklung steht zugleich im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Grundlagen und Besitzverhältnissen der Familie.

Schloss Pratteln
Schloss Pratteln.
Quelle: Wikipedia/Wikimedia, Foto: EinDao.

Nachkommen

Linienführend unter den Nachkommen Bonaventuras III. wurde sein Sohn Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau, der mit Helena von Molina verheiratet war und über längere Zeit in spanischen Diensten stand.

Johann Conrad von Bodeck zu Ellgau

Er wurde im Jahr 1620 in Pratteln geboren. Er war ein Sohn Bonaventuras III. von Bodeck zu Ellgau und Salomés von Thurberg.

Verheiratet war er mit Helena von Molina. Aus dieser Ehe gingen insgesamt acht Kinder hervor.

Mehrere seiner Söhne traten in militärische Dienste. Einzelne Nachkommen sind in unterschiedlichen Regionen nachweisbar. Über weitere Lebenswege der Kinder liegen nur fragmentarische genealogische Angaben vor.

Er stand über einen Zeitraum von 22 Jahren in spanischen Militärdiensten. und verstarb im Jahr 1670 in Dautenstein.

Innerhalb seiner Nachkommenschaft tritt insbesondere Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau hervor, der den Familienzweig im oberrheinischen Raum fortführte.

Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau

Er wurde im Jahr 1645 geboren. Er war ein Sohn Johann Conrads von Bodeck zu Ellgau und Helenas von Molina.

Er heiratete Anna Maria vom Scharpfenstein genannt Pfeil. Aus dieser Ehe gingen Nachkommen hervor.

Im Laufe seines Lebens verlagerte Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau den Lebensmittelpunkt seiner Familie nach Oberkirch bei Straßburg.

In Oberkirch ließ er das Amtshaus errichten. Über dem Eingangsportal des Gebäudes ist das Allianzwappen der Familien von Bodeck und vom Scharpfenstein genannt Pfeil angebracht, das auf die eheliche Verbindung Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau mit Anna Maria vom Scharpfenstein genannt Pfeil verweist.

Zum Allianzwappen über dem Eingang des Amtshauses siehe auch Kapitel 4: Allianzwappen am Amtshaus in Oberkirch.

Amtshaus Oberkirch bei Straßburg
Amtshaus Oberkirch bei Straßburg, errichtet unter Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau. Über dem Portal das Allianzwappen der Familien von Bodeck und vom Scharpfenstein genannt Pfeil.
Quelle: Wikimedia Commons, Public Domain, Foto: Albtalkourtaki.

Aus der Ehe Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau gingen insgesamt zehn Kinder hervor. Mehrere Söhne traten in militärische Dienste. Ein Teil der Kinder verstarb bereits in früher Kindheit oder wurde tot geboren.

Innerhalb seiner Nachkommenschaft wurde insbesondere Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau linienführend, über den sich der Familienzweig in den folgenden Generationen fortsetzte.

Johann Evangelist von Bodeck zu Ellgau verstarb im Jahr 1676.

Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau

Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau wurde im Jahr 1687 in Oberkirch geboren. Er war ein Sohn Johann Evangelists von Bodeck zu Ellgau.

Im Jahr 1716 heiratete er Maria Anna Augusta von Blittersdorf und Neusalz.

Johann Philipp Ernst von Bodeck zu Ellgau ist in den genealogischen Überlieferungen als Träger der weiteren Linienentwicklung der ellgauisch-oberkirchischen Linie nachweisbar.

Er verstarb im Jahr 1735.

Die Nachkommenschaft Johann Philipp Ernsts von Bodeck zu Ellgau ist genealogisch mit mehreren Kindern belegt.

Hierzu gehört insbesondere Anna Maria Augusta Philippina von Bodeck zu Ellgau (~ 21.02.1717 Oberkirch, † 1791 Wien), deren Identität durch einen Taufeintrag im Taufbuch von Oberkirch eindeutig gesichert werden konnte.

Über seinen Sohn Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau setzt sich die Linie der Familie genealogisch fort.

Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau

Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau wurde am 29. Juli 1729 geboren. Er war ein Sohn Johann Philipp Ernsts von Bodeck zu Ellgau und Maria Anna Augusta von Blittersdorf und Neusatz.

Er trat in militärische Dienste ein und erreichte den Rang eines Oberstleutnants. Er war verheiratet mit Maria Euphemia Gabriele Josephine Ursula von Böcklin von Böcklinsau.

Nach überlieferter Quelle lebte er mit seiner Familie im Raum Straßburg. Der genaue Wohnort ist nicht überliefert. Im Zusammenhang mit den politischen Umwälzungen der Französischen Revolution verließ die Familie den oberrheinischen Raum und siedelte später nach Bamberg über.

Franz Johann Heinrich Nikolaus von Bodeck zu Ellgau verstarb am 25. März 1796.

Nachkommen

Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau

Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau, * 27.10.1773, oo mit Leopoldine von Würtzburg, † 16.02.1851 in Bamberg.

Im Zusammenhang mit der Säkularisation erwarb Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau auf Wunsch des letzten Fürstbischofs von Würzburg, Georg Karl von Fechenbach, das säkularisierte Kloster Heidenfeld. Der Besitz bildete fortan einen wichtigen Mittelpunkt der Familie von Bodeck zu Ellgau.

Kinder von Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau

Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau

Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau * 18.03.1805 in Würzburg, † 17.09.1884 in Heidenfeld, oo mit Euphemia Antonia Maria Eugenia Franziska Huberta von Zandt.

Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor:

  1. Maria Emilie von Bodeck zu Ellgau, *30.07.1843 in Heidenfeld, †22.10.1910 in Stotzheim/Elsaß, oo 14.09.1854 Karl Raimund Graf von Andlau-Homburg
  2. Therese Caroline von Bodeck zu Ellgau, *24.06.1844, † in Würzburg, Äbtissin des Albert-Carolinen-Stifts für adelige Damen in Freiburg
  3. Maximilian Friedrich Karl von Bodeck zu Ellgau, *27.02.1846, †20.08.1852
  4. Karl Maximilian Maria Bonaventura von Bodeck zu Ellgau, *24.11.1849 in Hasenfeld, †ledig 29.03.1878
  5. Friedrich Max Maria von Bodeck zu Ellgau, *09.05.1854, †ledig 02.09.1906 in München
  6. Maria Caroline Huberta Benigna von Bodeck zu Ellgau, *13.02.1856, †28.06.1913 in Würzburg, trat 1897 in das St.-Anna-Stift zu Würzburg ein
  7. August Max Emil Maria von Bodeck zu Ellgau, *22.09.1857, †ledig 11.07.1910
  8. Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau (linienführend), *01.03.1842, oo 1870 Maria Anna Caroline Franziska Henrietta Theodora von Hallberg zu Broich, †12.10.1907

Von den acht Kindern führte Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau als einziger Sohn die Linie fort.

Grabstätten der Familie von Bodeck zu Ellgau in Heidenfeld
Grabstätten der Familie von Bodeck zu Ellgau in Heidenfeld
Foto: Thomas Kremer, eigene Aufnahme.

Nachdem die Linie auf Heidenfeld keine Nachfolger mehr stellte, kam das Schloss schließlich wieder in kirchlichen Besitz. Michael von Faulhaber wirkte maßgeblich daran mit, dass die Anlage erneut einer geistlichen Nutzung zugeführt und als Kloster Heidenfeld etabliert wurde.

Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau

Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau wurde 1842 in Heidenfeld geboren. Er war k.u.k.-Offizier und lebte mit seiner Familie im Raum Bregenz. Er stieg in seiner Laufbahn bis zum Hauptmann auf und war Kämmerer des k.u.k. Hofes. Im Jahr 1870 heiratete er Maria Anna Caroline Franziska Henriette Theodora von Hallberg zu Broich, Er starb 1907 in Hörbranz

Nachkommen:

Namensformen in den Grabinschriften

Die Grabinschriften der Familie in Heidenfeld zeigen unterschiedliche Namensformen. Auf den Grabsteinen von Franz Ludwig Maximilian von Bodeck zu Ellgau, seiner Ehefrau und ihrer Kinder erscheint die Form „Bodeck von Ellgau“, während auf den Grabstätten in Heidenfeld die Schreibweise „von Bodeck-Ellgau“ verwendet wird.

Diese Varianten spiegeln keine unterschiedlichen Familienzugehörigkeiten wider, sondern unterschiedliche zeitgenössische Schreibweisen des Familiennamens. Sie dokumentieren die Entwicklung und den Gebrauch des Namens im 19. und frühen 20. Jahrhundert im funerären Kontext.

5.4.5 Friedrich von Bodeck zu Ellgau

Friedrich von Bodeck zu Ellgau wurde 1592 in Augsburg geboren. Er gehört jener Generation an, deren Erwachsenenleben vollständig in die Epoche des Dreißigjährigen Krieges fiel und deren Lebensläufe in besonderer Weise von Mobilität, Unsicherheit und militärischer Verpflichtung geprägt waren.

Gemeinsam mit seinem Bruder Carl Wolf führte Friedrich zunächst die von seinem Vater Bonaventura II. aufgebauten Frankfurter Handelsgeschäfte fort.

Nach dem Tod Carl Wolfs im Herbst 1629 wandte sich Friedrich verstärkt militärischen Aufgaben zu. In den Quellen wird er als Kapitän bezeichnet, was auf eine entsprechende Stellung innerhalb militärischer Strukturen hinweist. Seine Tätigkeit erklärt zugleich, weshalb er über längere Phasen nicht dauerhaft an einen festen Ort gebunden war und sich die Familie in unterschiedlichen Regionen des Reiches und der Niederlande aufhielt.

Im Jahr 1621 ging Friedrich seine erste Ehe mit Carolet de Logier ein. Nach deren Tod heiratete er am 2. Juli 1632 in zweiter Ehe Margarete Elisabeth Titser. Friedrich von Bodeck starb im Jahr 1665.

Friedrich hatte insgesamt acht Kinder. Die Familie wurde jedoch von einem schweren Einschnitt getroffen, als im Jahr 1636 in Tiel sechs seiner Kinder im Kindesalter nachweislich an der Pest verstarben. Dieses Ereignis führte zu einer nahezu vollständigen Auslöschung dieser Generation und stellt einen zentralen Wendepunkt innerhalb des Friedrich-Zweigs dar.

Bereits 1628 war eine Tochter namens Bonaventura verstorben. Sie erreichte kein volles Lebensjahr und wurde in Utrecht beigesetzt. Die Vergabe dieses traditionell männlichen Vornamens stellt innerhalb der Familie eine seltene Namensform dar.

Der einzige überlebende Sohn Friedrichs war Adolf Bodeck von Ellgau, geboren 1623 in Utrecht. Er heiratete am 8. April 1645 in Utrecht Nelechien Jans van Gelder und fiel 1673 bei den Kämpfen um Maastricht im Zusammenhang mit den Kriegen Ludwigs XIV. gegen die Niederlande.

Bereits in der Generation Adolf von Ellgau und seines Sohnes Matthias von Ellgau wird ein Wandel der Namensform sichtbar. Während in älteren Quellen noch die Herkunftsbezeichnung „von Bodeck zu Ellgau“ erscheint, tritt nun zunehmend die verkürzte Form „von Ellgau“ beziehungsweise „Ellgau“ in den Vordergrund.

Diese Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Herkunft der Bezeichnung selbst. Die älteren Namensformen „Ellgow“ und „Ellgöw“ verweisen auf eine ursprüngliche landschaftliche Bezeichnung mit der Endung „-gau“. Daraus entwickelte sich die vereinfachte Form „Ellgau“, während „Elgg“ als spätere, verkürzte Ortsform zu verstehen ist. Die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Schreibweisen lässt sich auch anhand der überlieferten Kaufurkunde zur Herrschaft nachvollziehen, die im Kontext Ellgau dargestellt ist und eine parallele Verwendung verschiedener Namensformen erkennen lässt.

In den folgenden Generationen verfestigen sich daraus weitere Varianten wie „Ellgaß“ und schließlich „Elgas“. Diese sind nicht als eigenständige Ortsbezeichnungen zu verstehen, sondern als quellen- und regionsbedingte Anpassungen innerhalb derselben Entwicklungslinie.

In dieser Linie erscheint Ferdinand Ellgau (*1681 Missen im Allgäu, †1742, Sterbeort unbekannt) als Sohn des Matthias von Ellgau und der Magdalena Lerpscher. Die entsprechenden Tauf- und Familienangaben sind im Kirchenbuch der Pfarrei Missen überliefert (Brief von Pfarrer Kieser, Missen, 1994).

Ferdinand Ellgau heiratete in Missen Kunigunde Höllmayerin. Über ihre Herkunft liegen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Als Sohn ist mit Sicherheit Franz Karl Elgaß (*1705 Missen) nachweisbar. Weitere Kinder sind möglich, konnten bislang jedoch nicht eindeutig belegt werden.

Mit Franz Karl Elgaß vollzieht sich eine geographische Verlagerung. Er verließ das Allgäu und erscheint später im nördlichen Saarland. Im Jahr 1738 heiratete er in der Pfarrei Wadrill Maria Franziska von Hillesheim. Im Heiratseintrag wird er als „aus Kastel kommend“ bezeichnet. Kastel liegt wenige Kilometer von Wadrill und Sitzerath entfernt und gehört heute zur Gemeinde Nonnweiler. Dies spricht dafür, dass Franz Karl bereits vor seiner Eheschließung in dieser Region ansässig war.

Mit dieser Generation verfestigt sich die Schreibweise „Elgaß“, während ältere Formen im süddeutschen Raum weiter belegt bleiben. Der Wandel der Namensform ist dabei weniger als bewusste Abkehr denn als regionale Anpassung der Schreibpraxis zu verstehen.

Die Verlagerung des Lebensmittelpunkts vom Allgäu in den Saarraum markiert eine neue Phase innerhalb dieser Linie, die sich fortan dauerhaft im nördlichen Saarraum nachweisen lässt.

Aus der Ehe des Franz Karl Elgaß gingen nach den Kirchenbüchern der Pfarrei Wadrill nachweislich zwei Söhne hervor.

Der ältere Sohn war Lucas Ellgas (*1738). Er heiratete zunächst Maria Philippina Massung und später Barbara Schaeffer. Aus diesen Ehen sind insgesamt sechs Kinder bekannt, deren Namen überliefert sind, zu denen bislang jedoch keine weiterführenden Lebensdaten ermittelt werden konnten.

Der zweite Sohn war Heinrich Ellgas (*24.01.1745), der ebenfalls nach den Kirchenbüchern von Wadrill heiratete, und zwar Barbara Hoeffer. Heinrich Ellgas verstarb am 04.07.1806.

Beide Söhne des Franz Karl Ellgaß sind kirchenbuchmäßig in der Pfarrei Wadrill fassbar. Ihr tatsächlicher Lebensmittelpunkt lag jedoch im nahegelegenen Sitzerath, wo sie nach den vorliegenden Einträgen auch verstorben sind.

Aus der Ehe des Heinrich Ellgas (*24.01.1745, †04.07.1806) mit Barbara Hoeffer gingen nach den Kirchenbüchern der Pfarrei Wadrill folgende Kinder hervor:

Johann Ellgau, *20.12.1771;
Nikolaus Ellgas, *06.02.1774, †13.04.1825, verheiratet mit Anna Maria Roeder;
Johann Carl Ellgas, *19.10.1776;
Franz Ellgas, *23.02.1779;
Katharina Elgas, *30.08.1780;
Peter Elgas, *20.07.1782, † ledig;
Elis Elgas, *05.11.1785, †29.08.1848;
Gertrud Elgas, †10.02.1844.

Mit dieser Generation ist die Familie dauerhaft im Raum Sitzerath nachweisbar. Besonders Nikolaus Ellgas begründete eine weiterführende Nachkommenschaft; aus seiner Ehe mit Anna Maria Roeder gingen sechs Kinder hervor, deren Linie sich über mehrere Generationen fortsetzte.

Zu den Kindern des Heinrich Ellgas gehörte auch Gertrud Elgas (†10.02.1844). Aus einer nicht näher benannten Vaterschaft ging ihr Sohn Heinrich Elgas (*06.02.1800) hervor, der den Familiennamen der Mutter führte.

Heinrich Elgas heiratete Anna Maria Andres. Aus dieser Ehe gingen sieben Kinder hervor:

Johanna Elgas, *02.12.1821;
Maria Elgas, *22.01.1825, verheiratet mit Heinrich Mehl, später ausgewandert nach Buffalo (USA);
Magdalena Elgas, *21.11.1831;
Peter Elgas, *03.02.1835;
Johann Elgas, *05.03.1838, †23.07.1894, verheiratet am 29.01.1860 mit Anna Britz (†25.12.1905), linienführend;
Petrus Elgas, *09.02.1842, †??.09.1911, verheiratet am 31.05.1864 mit Katharina Becker;
Anna Maria Elgas, *22.10.1845, †23.03.1918.

Der als linienführend hervorgehobene Johann Elgas (*05.03.1838, †23.07.1894) heiratete am 29.01.1860 Anna Britz (†25.12.1905). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor:

Peter Elgas, *18.11.1866, †25.04.1941, verheiratet am 15.06.1889 mit Maria Will (†19.11.1942);
Michael Elgas, *05.08.1868;
Michael Elgas, *30.04.1872;
Johann Elgas, *15.08.1873, verheiratet am 13.02.1900 mit Gertrud Feit.

Aus der Ehe des Johann Elgas (*1873) mit Gertrud Feit gingen sechs Kinder hervor; zudem ist eine nachfolgende Enkelgeneration nachweisbar. Eine detaillierte Aufführung dieser Nachkommen erfolgt hier nicht, da über die bloßen Namensnennungen hinaus bislang keine weiterführenden biographischen Daten vorliegen.

Peter Elgas war gelernter Maurer. Seine Tätigkeit ging jedoch über das reine Handwerk hinaus; er trat in der Region zunehmend als selbständig tätiger Bauunternehmer hervor. Seine Ehefrau Maria Will führte ein Kolonialwarengeschäft und trug damit wesentlich zur wirtschaftlichen Stabilität der Familie bei.

Kinder von Peter Elgas und Maria Will:

Familienfoto der Familie Peter Elgas in Sitzerath um 1900
Familienfoto der Familie Peter Elgas in Sitzerath, um 1900.

Hintere Reihe (v. l. n. r.): Katharina, Mathias, Anna, Maria, Nikolaus, Helena (Lena).
Vordere Reihe (v. l. n. r.): Peter, Johann Jakob (gen. Hänschen), Maria Will, Emmi, Peter Elgas, Werner, Mathilde.
Nicht abgebildet sind: Johann Jakob (*1899, †1900) und Nikolaus Heinrich (*1914, †1914).
Quelle: Privates Familienarchiv.

Mit der Generation von Katharina Elgas, verheiratet mit dem Bergmann Nikolaus Paulus, verlagert sich der Lebensmittelpunkt der Familie vom Hunsrück in das Aachener Bergbaurevier. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, deren Lebenswege diesen Übergang widerspiegeln. Die Familie verzweigte sich in mehrere Linien, die bis in die Gegenwart fortbestehen.

Der Zweig Friedrich von Bodeck zu Ellgau zeigt in exemplarischer Weise die langfristige Transformation einer Familie von militärisch geprägten Lebensformen der Frühen Neuzeit über Migration und soziale Anpassung bis hin zur bürgerlich-handwerklichen und industriellen Lebenswelt des 19. und 20. Jahrhunderts.

Erinnerung, Herkunft und Wandel verbinden sich in der Geschichte der Familie von Bodeck zu einem fortdauernden Zusammenhang, der über Generationen hinweg sichtbar bleibt und die einzelnen Lebensläufe in einen größeren historischen Rahmen einordnet.