Die Herrschaft Ellgau (Elgg ZH)
Die historische Herrschaft Ellgau entspricht dem heutigen Elgg im oberen Eulachtal östlich von Winterthur. Sie entwickelte sich seit dem Spätmittelalter als kleinräumige Territorialherrschaft mit eigener Gerichtsbarkeit, wirtschaftlichen Nutzungsrechten und lokalpolitischer Bedeutung innerhalb des habsburgischen Einflussraumes.
Burg, Städtchen und zugehörige Rechte wurden über längere Zeit als Pfandschaft vergeben – ein im 14. und 15. Jahrhundert übliches Instrument habsburgischer Finanzpolitik. In diesem Zusammenhang erscheint die Herrschaft zunächst im Besitz der Familie von Landenberg; später folgen weitere Übergänge innerhalb regionaler Adels- und Patrizierkreise, unter anderem über die Familien vom Rösslin, Meiss sowie die Herren von Hinwil. Diese Besitzer prägten Verwaltung, Gerichtsbarkeit und wirtschaftliche Nutzung der Herrschaft nachhaltig.
Die Herrschaft Ellgau besaß neben ihrer symbolischen Bedeutung auch wirtschaftliches Gewicht. Wasserrechte, Mühlen, landwirtschaftliche Nutzflächen sowie Abgaben- und Gerichtsrechte bildeten die Grundlage der lokalen Herrschaftsausübung. Entsprechende archivalische Quellen – insbesondere im Staatsarchiv Zürich – dokumentieren Rechtsstreitigkeiten, Besitzwechsel und Verwaltungsfragen über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Vor dem Erwerb durch Bonaventura II. von Bodeck befand sich die Herrschaft Ellgau über längere Zeit im Besitz verschiedener Adels- und Patrizierfamilien. Nach einer Phase habsburgischer Pfandherrschaft gelangte sie im 16. Jahrhundert zunehmend in die Hände Zürcher Patrizier, zuletzt nach dem Ausbau der Anlage unter Hans Heinrich Lochmann an die Brüder Hans Heinrich und Hans Ludwig Heinzel von Tägernstein. Zeitgenössischen Darstellungen zufolge sollen sich dabei erhebliche Schulden angesammelt haben, die schließlich eine Größenordnung von etwa 100.000 Gulden erreichten und den späteren Verkauf der Herrschaft begünstigten.
Besitzfolge der Herrschaft Ellgau (Elgg ZH) – Überblick
In diesem Kontext erwarb der kaiserliche Rat Bonaventura II. von Bodeck im Jahr 1599 Schloss und Herrschaft Ellgau (Staatsarchiv Zürich, C I Nr. 2004, 19.04.1599).
Der Erwerb steht innerhalb einer langen Tradition von Pfand- und Besitzübertragungen und markiert zugleich den Beginn der ellgauischen Phase der Familie von Bodeck.
Diese Seite dient der historischen Einordnung der ellgauischen Linie der Familie von Bodeck und ergänzt die genealogischen Darstellungen der Chronik. Sie konzentriert sich bewusst auf strukturelle und herrschaftsgeschichtliche Aspekte, während die personengeschichtliche Entwicklung in den jeweiligen Kapiteln behandelt wird.
Die noch erhaltenen Grabplatten sowie heraldischen Darstellungen im Umfeld der Herrschaft Ellgau bieten zusätzliche Einblicke in die lokale Adels- und Besitzgeschichte. Ein Teil dieser Grabplatten wurde im Zuge von Renovierungsarbeiten an der Kirche von Elgg in die heutige Schlosskapelle überführt, wo sie bis heute erhalten sind.
Quellen u. a.: Staatsarchiv Zürich (Bestände W I 26); zeitgenössische Urkunden; regionale Geschichtsdarstellungen zu Elgg und zur vorderösterreichischen Territorialgeschichte.