Erwerb von Heidenfeld

Der Erwerb des ehemaligen Klosters Heidenfeld durch Franz Ludwig von Bodeck zu Ellgau steht im Zusammenhang mit den tiefgreifenden Umwälzungen der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit gingen zahlreiche geistliche Einrichtungen in weltlichen Besitz über und wurden neu organisiert.

Schloss Heidenfeld, ehemals Kloster Heidenfeld
Schloss Heidenfeld, ehemals Klosteranlage und späterer Sitz der Familie von Bodeck zu Ellgau.
Foto: MaHeHe, via Wikimedia Commons (CC BY 3.0).

Leben auf Schloss Heidenfeld

Einen besonders anschaulichen Einblick in das Leben auf Schloss Heidenfeld im 19. Jahrhundert geben die sogenannten „Heidenfelder Erzählungen“ der Gabriele Weber, einer Enkelin von Marie Emilie von Bodeck und Karl Raimund von Andlau-Homburg. Die Aufzeichnungen beruhen auf familiärer Überlieferung sowie auf eigenen Erinnerungen und vermitteln ein differenziertes Bild des Alltags, der wirtschaftlichen Nutzung und des gesellschaftlichen Lebens auf dem ehemaligen Klostergut.

Das Anwesen wurde nach dem Erwerb nicht vollständig bewohnt. Es handelte sich bei Schloss Heidenfeld weniger um einen repräsentativen Adelssitz als vielmehr um ein landwirtschaftlich geprägtes Gut mit herrschaftlichem Wohnbereich. Nach der Überlieferung waren vor allem die Vorderfront sowie ein Seitenflügel genutzt, während andere Teile als Wirtschafts- und Lagerbereiche dienten. Zum Besitz gehörten neben dem eigentlichen Gebäudekomplex auch landwirtschaftliche Flächen sowie weitere Höfe in der Umgebung. Der Betrieb umfasste eine umfangreiche Viehhaltung und wurde durch Verwalter sowie eine größere Zahl von Bediensteten organisiert.

Das Leben auf Heidenfeld war zugleich durch eine ausgeprägte gesellschaftliche Komponente geprägt. Regelmäßige Besuche von befreundeten Familien sowie Jagden und Einladungen bestimmten insbesondere die Wintermonate, während sich im Sommer ein lebhafter Aufenthalt mit Gästen entwickelte. Die räumliche Gliederung des Hauses mit Salons, Speisezimmern und Gästezimmern spiegelt diese Nutzung deutlich wider. Zu den Besuchern zählten nach der Überlieferung auch hochrangige Persönlichkeiten, darunter der bayerische Prinzregent Luitpold, dessen Aufenthalt im Zusammenhang mit militärischen Manövern in der Region gestanden haben dürfte.

Auch der Alltag innerhalb des Hauses war klar strukturiert. Neben der Familie lebte eine größere Zahl von Bediensteten auf dem Anwesen, darunter Köchinnen, Diener, Kutscher und weiteres Personal. Die wirtschaftliche Organisation des Gutes sowie der Haushaltsführung lag in wesentlichen Teilen in der Hand der Hausherrin, während für die landwirtschaftlichen Belange Verwalter eingesetzt waren.

Zu den wiederkehrenden Personen im Umfeld von Heidenfeld gehörte auch der spätere Kardinal Michael von Faulhaber. Nach der Überlieferung verbrachte er als junger Student wiederholt Zeit auf dem Gut und war in den Alltag der Familie eingebunden. Er nahm am gemeinsamen Leben teil und war in das Umfeld der Familie integriert.

In den „Heidenfelder Erzählungen“ wird zudem berichtet, dass Faulhaber später in persönlichem Zusammenhang geäußert habe, er habe den Großeltern „alles zu verdanken“. Diese überlieferte Aussage verweist auf die nachhaltige Bedeutung dieser frühen Prägung, ist jedoch als Teil der familiären Erinnerung quellenkritisch einzuordnen.

Im selben Zusammenhang wird eine Patenschaft Faulhabers für Hubert von Andlau erwähnt. Während die genaue Ausgestaltung dieser Patenschaft in den Quellen nicht eindeutig zu fassen ist, erscheint insbesondere eine Firmpatenschaft im zeitlichen Zusammenhang plausibel.

Auch die Verbindung zur Familie von Andlau ist im Zusammenhang mit Heidenfeld von Bedeutung. Durch die Heirat von Emilie von Bodeck mit Graf Karl Raimund von Andlau-Homburg entstand eine enge Beziehung zu diesem elsässischen Adelsgeschlecht. Die Familie von Andlau war in der Folge wiederholt in Heidenfeld präsent und in das gesellschaftliche Leben des Hauses eingebunden.

Die „Heidenfelder Erzählungen“ verbinden persönliche Erinnerung mit familiärer Tradition und lassen erkennen, dass sich Heidenfeld nicht nur als wirtschaftlicher Besitz, sondern zugleich als sozialer und familiärer Mittelpunkt eines weit verzweigten Adelsnetzwerks darstellte. Sie ermöglichen damit einen unmittelbaren, wenn auch quellenkritisch einzuordnenden Zugang zu den Lebensverhältnissen auf Schloss Heidenfeld im 19. Jahrhundert.

Nachkommen und Weiterführung

Mit Georg Karl Josef von Bodeck zu Ellgau ging Heidenfeld in die nächste Generation über. Er lebte mit seinen Kindern vollständig auf dem Gut und führte den Besitz in seiner bisherigen Funktion als landwirtschaftlich geprägtes Herrschaftsanwesen fort.

Von seinen Nachkommen gingen unterschiedliche Lebenswege aus. Während Maria Emilie von Bodeck durch ihre Heirat mit Karl Raimund von Andlau-Homburg eine Verbindung zu diesem elsässischen Adelsgeschlecht herstellte, wandte sich Franz Ludwig Maximilian von Bodeck aus dem unmittelbaren Zusammenhang Heidenfelds heraus und trat als k.u.k. Offizier in militärische Dienste, wobei er seinen Lebensmittelpunkt in Hörbranz fand.

Die übrigen Kinder blieben entweder unverheiratet oder traten – insbesondere die Töchter – in Würzburger Adelstifte ein. Eine dauerhafte Weiterführung der Linie auf Heidenfeld selbst erfolgte damit nicht.

Mit dem Tod des letzten Angehörigen der Familie von Bodeck zu Ellgau auf Heidenfeld endete die unmittelbare Verbindung der Familie zu diesem Ort. Der Besitz gelangte in der Folge wieder in kirchliche Hände und wurde erneut als Kloster genutzt. Nach familiärer Überlieferung soll dieser Übergang maßgeblich durch Michael von Faulhaber initiiert worden sein.

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