Johann von Bodeck jun. (1589–1650)
Johann von Bodeck jun. (1589–1650), Sohn des Frankfurter Kaufmanns und Bankiers Johann von Bodeck sen. (1555–1631), gehört zur Generation, in der sich die Frankfurter Linie der Familie von Bodeck im frühen 17. Jahrhundert weiter verzweigte. Die Familie bewegte sich in einem internationalen Kaufmannsmilieu, das über die Handelsstädte des Reiches und der Niederlande miteinander verbunden war.
Ehe und Familie
Johann von Bodeck jun. war mit Susanna van Uffeln verheiratet. Die Familie van Uffeln entstammte einem niederländisch geprägten Kaufmannsumfeld, das im norddeutschen Raum, insbesondere in Hamburg, tätig war. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor.
Übersiedlung nach Utrecht
Im Jahr 1632 verließ Johann von Bodeck jun. gemeinsam mit seiner Ehefrau Susanna van Uffeln und den gemeinsamen Kindern Frankfurt und ließ sich in Utrecht nieder. Die Gründe für diesen Ortswechsel sind nicht vollständig überliefert.
Der Schritt fällt jedoch in eine Zeit tiefgreifender politischer und wirtschaftlicher Umbrüche während des Dreißigjährigen Krieges, in der zahlreiche Kaufleute ihre Tätigkeit innerhalb des nordeuropäischen Handelsraums zwischen Frankfurt, Hamburg und den niederländischen Handelszentren neu ausrichteten.
Historischer Zusammenhang
Frankfurt war im frühen 17. Jahrhundert ein bedeutender Messe- und Handelsplatz des Heiligen Römischen Reiches. Zugleich entwickelten sich Städte der niederländischen Republik zu wichtigen Zentren des europäischen Handels- und Finanzwesens. Viele Kaufmannsfamilien bewegten sich innerhalb dieses weitgespannten Wirtschaftsraums.
Die Übersiedlung Johann von Bodeck jun. nach Utrecht steht in diesem größeren Zusammenhang der internationalen Handelsverbindungen der Zeit.
Eine genealogische Zusammenstellung der Familie von Bodeck ist auch in einer um 1680 entstandenen Stammtafel überliefert, die heute in der Koninklijke Bibliotheek in Den Haag aufbewahrt wird. Die Darstellung umfasst mehrere Zweige der Familie, darunter sowohl die Frankfurter Linie als auch die späteren Ellgauer Vertreter.
Die Stammtafel bestätigt im Wesentlichen die aus anderen Quellen rekonstruierte Generationenfolge der Familie. Zusätzliche oder abweichende Angaben zur Nachkommenschaft Johann von Bodecks jun. enthält sie nicht.
Die um 1680 entstandene Stammtafel zeigt zugleich, dass die Erinnerung an die Frankfurter Herkunft der Familie auch in späteren genealogischen Zusammenstellungen bewahrt blieb.
<Eine norddeutsche Nebenlinie und ihre weiteren Verbindungen
Ausgehend von Johann von Bodeck jun. entwickelte sich im 17. Jahrhundert eine Nebenlinie, die ihren Schwerpunkt in den norddeutschen Raum verlagerte. Sein Sohn Bonaventura von Bodeck (* 1624 in Frankfurt) ist dort seit der Mitte des Jahrhunderts nachweisbar und ließ sich in Gülzow nieder.
Dessen Tochter Susanne Francina von Bodeck (* 1655 in Gülzow) ging durch ihre Heirat mit Joachim Dietrich Werner von Bülow eine Verbindung zu norddeutschen Adelsfamilien ein, die in der Folge über mehrere Generationen hinweg fortgeführt wurde. Über die Familien von Oertzen und von Passow führt diese Linie schließlich zur Familie von Amsberg, der im 20. Jahrhundert Claus von Amsberg angehörte, der durch seine Heirat mit Königin Beatrix mit dem Haus Oranien-Nassau verbunden wurde.
Die sich daraus ergebenden genealogischen Verbindungen lassen erkennen, dass einzelne Zweige der Familie von Bodeck im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts in den norddeutschen Adelsraum eingebunden waren. Eine weitergehende Ausführung dieser Linien würde den Rahmen der vorliegenden Darstellung jedoch überschreiten und bleibt einer gesonderten Betrachtung vorbehalten.