Das Grabmal der Familie von Bodeck auf dem Peterskirchhof in Frankfurt am Main wurde im Jahr 1601 errichtet. Anlass war der frühe Tod mehrerer Söhne Johann von Bodecks innerhalb kurzer Zeit. Die folgenden Abbildungen dokumentieren Grabmal, Inschrift und archivalische Sterbeeinträge als Ergänzung zur Darstellung in Kapitel 5.
| Latein (wortgetreu) | Deutsch (wortnah) |
|---|---|
| Nobilibus ingenii, forma et amabilibus moribus | Den adligen Knaben von Geist, Gestalt und liebenswürdigem Wesen |
| Carolo Michaeli et Ferdinando a Bodeck | Karl-Michael und Ferdinand von Bodeck |
| intra octiduum repentina morte correptis | die innerhalb von acht Tagen vom plötzlichen Tod ergriffen wurden |
| fatis decesserunt | und dem Schicksal erlagen |
| maiori affectu parentibus | zum größeren Schmerz der Eltern |
| Ioanni a Bodeck et Mariae Bormann | Johann von Bodeck und Maria Bormann |
| maerore officium praestiterunt | erwiesen sie den Dienst der Trauer |
| quod ipsi a filiis accipere debuissent | den sie eigentlich von den Söhnen hätten empfangen sollen |
| sibi et suis sedem faciunt | sie errichten für sich und die Ihren eine Ruhestätte |
| ad secundum adventum Redemptoris | bis zur zweiten Ankunft des Erlösers |
| Anno Salutis MDCI | im Jahr des Heils 1601 |
Das Grabmal auf dem Peterskirchhof ist mehr als ein genealogischer Beleg. Es entstand im Jahr 1601 nach dem frühen Tod zweier Söhne Johann von Bodecks, war jedoch offenbar von Beginn an als Familiengrab angelegt. Damit wurde ein Ort geschaffen, der nicht nur an einen konkreten Verlust erinnerte, sondern dauerhaft der familiären Gedächtniskultur dienen sollte.
Für Johann von Bodeck waren diese beiden Söhne die ersten Angehörigen seiner engeren Familie, deren Tod er erleben musste. Lediglich seine Tochter Cornelia von Bodeck verstarb wenige Monate vor ihm selbst. Der frühe Verlust der beiden Söhne dürfte daher ein einschneidendes Ereignis gewesen sein, das den Entschluss zur Anlage eines dauerhaften Familiengrabes zusätzlich geprägt haben mag.
Die Inschrift verbindet persönliche Trauer mit dem Wunsch nach bleibender Erinnerung. Hinter der formelhaften lateinischen Sprache tritt ein sehr menschliches Anliegen hervor: den eigenen Angehörigen einen würdigen Ruheort zu geben und zugleich die Kontinuität der Familie über Generationen sichtbar zu machen. So verweist das Grabmal zugleich auf individuelle Erfahrung und auf die frühneuzeitliche Vorstellung von Familie, Gedächtnis und sozialer Repräsentation im patrizischen Frankfurt.
Betrachtet man die Lebensumstände Johann von Bodecks um 1600, so scheint zunächst vieles stabil gewesen zu sein: wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Stellung und ein gefestigtes familiäres Umfeld. Umso einschneidender dürfte der plötzliche Tod zweier Söhne im Jahr 1601 gewirkt haben. Selbst in einer Zeit, in der frühe Todesfälle nicht selten waren, bedeutete der Verlust mehrerer Kinder innerhalb kurzer Zeit für eine Familie eine tiefe Zäsur.
Das als Familiengrab angelegte Denkmal lässt erkennen, dass Johann von Bodeck diesem Ereignis einen dauerhaften Ort der Erinnerung geben wollte. Es verbindet private Trauer mit öffentlicher Memorialkultur und verweist zugleich auf die Bedeutung von Familie, Kontinuität und sozialer Repräsentation im patrizischen Frankfurt der frühen Neuzeit.